"Gewalt bringt Gewalt hervor."

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Medea ist die Prinzessin von Kolchis, doch wegen ihrer magischen Fähigkeiten wird sie als Hexe im eigenen Palast eingesperrt. Ihre Kindheit ist geprägt von Gewalt, Manipulation, Zurückweisung, Hohn und Hass. Doch dann tritt Jason, der Anführer der berüchtigten Argonauten in ihr Leben und bietet ihr die Möglichkeit eines Abkommens, das Medea endlich ein Leben in Freiheit und Liebe eröffnen könnte. Ein Leben, das ihr zusteht. Medea weiß, wenn sie ihren Weg erst einmal gewählt hat, gibt es kein zurück mehr...

Das Buch hat mich total mitgerissen und so viel auf einmal fühlen lassen: Mitleid mit Medea, Wut auf ihren Vater, Unverständnis und Ekel gegenüber Medeas Entscheidungen, Verzweiflung, Trauer und noch so viel mehr!
Die Geschichte bringt einen an die Grenzen der eigenen Moralvorstellungen, zeigt Dilemmata auf und beweist, dass es unmöglich ist, die Welt in Gut und Böse einzuteilen.
Rosie Hewlett ist außerdem eine Meisterin darin, ihre Worte so zu wählen, dass sich aus der bloßen Beschreibung der Atmosphäre bereits das nahende Unheil antizipieren lässt. Wer die Sage um Medea kennt, wird vermutlich von den Geschehnissen an sich nicht überrascht werden. Dennoch sorgt die Erzählung der Geschichte aus Medeas Perspektive dafür, dass man als Leser Manches nicht vollständig erahnen kann und ebenso hilflos Medeas Schicksal entgegenblickt wie die Protagonistin selbst. Denn wie soll man z.B. Warnungen von Nebencharakteren ernst nehmen, wenn Medea es ebenfalls nicht tut und sich in ihrer Wahrnehmung keine Argumente dafür finden lassen?

Ich bin begeisterte Leserin von Neuinterpretationen griechischer Sagen, die die Geschichte nicht wie gewöhnlich aus der Sicht der männlichen Helden erzählt, sondern die starken weiblichen Charaktere in das Licht rückt, dass ihnen gebührt. Das ist Rosie Hewlett mit Medea gelungen!