Gezeichnet von Liebe, Leid und Magie (4,5 Sterne)
Medea ist ein Fantasyroman mit starkem historischem und mythologischem Einschlag. Wir begegnen Königen, Prinzessinnen, Machtstrukturen, Magie und Göttern, eingebettet in eine Welt, die stark von der griechischen Mythologie geprägt ist.
"Als ich noch klein war, verwandelte ich meinen Bruder in ein Schwein. Damals fand ich das Knacken seiner berstenden Knochen und das fleischige Geräusch seiner sich verformenden Muskeln und Sehnen amüsant."
Die Sprache ist dabei bewusst förmlich gehalten, ohne jemals gekünstelt zu wirken. In vielen Passagen ist sie überraschend poetisch, teilweise sehr düster, stellenweise auch derb. Besonders hervorheben möchte ich hier die deutsche Übersetzung, die es schafft, die Atmosphäre und die sprachliche Tiefe des Originals eindrucksvoll zu transportieren.
Erzählt wird die Geschichte aus der Ich-Perspektive von Medea selbst. Dadurch entsteht eine intensive Nähe zur Hauptfigur, die das gesamte Buch trägt. Wir begleiten Medea von ihrer Kindheit an über mehrere Jahrzehnte hinweg. Sie wächst in einer zutiefst dysfunktionalen Familie auf: ein gewalttätiger Vater, eine emotional abwesende Mutter, eine Schwester, der der Kontakt zu ihr verboten ist, und ein Bruder, der sie hasst. Gleichzeitig besitzt Medea eine immense magische Macht eine Gabe, die ebenso gefährlich wie isolierend ist.
Das Worldbuilding hat mir insgesamt sehr gut gefallen. Die Welt ist stark von der griechischen Mythologie geprägt, und Magie ist kein beiläufiges Element, sondern ein fester Bestandteil der Geschichte. Die Götter sind präsent, werden immer wieder namentlich genannt und greifen auf unterschiedliche Weise in das Geschehen ein. Besonders schön fand ich, dass sich diese göttliche Präsenz sehr natürlich in die Welt einfügt und ihr spürbar Leben einhaucht. Mir haben die vielen Beschreibungen von Räumlichkeiten und vom äußeren Erscheinungsbild der Figuren sehr gefallen. Orte, Kleidung und Personen werden so detailliert dargestellt, dass man sich die Welt gut vorstellen kann und schnell ein klares Bild im Kopf hat. Gegen Ende des Buches hat es für mich etwas nachgelassen, sodass ich nicht mehr ganz so viele klare Bilder im Kopf hatte wie zuvor. Das war stellenweise etwas schade, insgesamt aber auch in Ordnung, da der Fokus dort stärker auf dem Abschluss der Geschichte lag.
Das Buch lebt weniger von einer actionreichen Handlung sondern von inneren Konflikten, Entwicklungen und Konsequenzen. Die Geschichte erstreckt sich über mehrere Zeitsprünge. Gerade nach diesen Zeitsprüngen hatte ich kurzzeitig das Gefühl, den emotionalen Anschluss zu verlieren, da Beziehungen und Dynamiken neu eingeordnet werden müssen. Das ist für mich eine kleine Schwäche des Romans, auch wenn ich verstehe, dass diese Struktur notwendig ist, um das Ende in dieser Form zu ermöglichen. Glücklicherweise findet man relativ schnell wieder in die Geschichte zurück.
Ein zentrales Thema des Buches ist der Umgang mit Konsequenzen, was es bedeutet, mit den eigenen Taten zu leben, egal wie gerechtfertigt sie sich im Moment angefühlt haben. Was mich besonders beeindruckt hat, ist, wie es der Autorin gelingt, trotz Medeas oft moralisch fragwürdiger oder sogar grausamer Entscheidungen eine starke emotionale Bindung zu ihr aufzubauen. Man leidet mit ihr, ist wütend auf sie, versteht sie und verurteilt sie zugleich. Diese Ambivalenz macht die Figur unglaublich spannend und menschlich.
Es gab immer wieder Passagen, in denen ich bewusst Pausen brauchte; nicht aus Langeweile, sondern weil mich die Emotionen überwältigt haben. Angst, Wut, Trauer: Gefühle, die ich bei vielen anderen Büchern so intensiv nicht erlebe. Medea berührt auf einer anderen Ebene als klassische Liebesgeschichten oder typische Fantasyromane. Es ist kein Buch zum Wegatmen, sondern eines, das nachhallt.
Der Abschluss jedoch etwas überhastet, da viele Entwicklungen in kurzer Zeit zusammengeführt werden. Ich hätte mir hier mehr Raum und ein längeres Auskosten der Konsequenzen gewünscht. Dennoch ist das Ende inhaltlich stimmig, emotional überzeugend und passt gut zu Medeas Weg.
Fazit
Medea ist ein düsteres, emotionales Fantasybuch, das sich Zeit für seine Figuren nimmt und vor allem durch seinen besonderen Schreibstil und die intensive Nähe zur Hauptfigur überzeugt. Es ist keine Geschichte für zwischendurch, sondern ein Buch, auf das man sich einlassen muss. Wer vielschichtige Charaktere, moralische Grauzonen und eine von Mythologie geprägte Welt schätzt, wird hier ein sehr eindrückliches Leseerlebnis finden.
4 bis 4,5 Sterne
"Als ich noch klein war, verwandelte ich meinen Bruder in ein Schwein. Damals fand ich das Knacken seiner berstenden Knochen und das fleischige Geräusch seiner sich verformenden Muskeln und Sehnen amüsant."
Die Sprache ist dabei bewusst förmlich gehalten, ohne jemals gekünstelt zu wirken. In vielen Passagen ist sie überraschend poetisch, teilweise sehr düster, stellenweise auch derb. Besonders hervorheben möchte ich hier die deutsche Übersetzung, die es schafft, die Atmosphäre und die sprachliche Tiefe des Originals eindrucksvoll zu transportieren.
Erzählt wird die Geschichte aus der Ich-Perspektive von Medea selbst. Dadurch entsteht eine intensive Nähe zur Hauptfigur, die das gesamte Buch trägt. Wir begleiten Medea von ihrer Kindheit an über mehrere Jahrzehnte hinweg. Sie wächst in einer zutiefst dysfunktionalen Familie auf: ein gewalttätiger Vater, eine emotional abwesende Mutter, eine Schwester, der der Kontakt zu ihr verboten ist, und ein Bruder, der sie hasst. Gleichzeitig besitzt Medea eine immense magische Macht eine Gabe, die ebenso gefährlich wie isolierend ist.
Das Worldbuilding hat mir insgesamt sehr gut gefallen. Die Welt ist stark von der griechischen Mythologie geprägt, und Magie ist kein beiläufiges Element, sondern ein fester Bestandteil der Geschichte. Die Götter sind präsent, werden immer wieder namentlich genannt und greifen auf unterschiedliche Weise in das Geschehen ein. Besonders schön fand ich, dass sich diese göttliche Präsenz sehr natürlich in die Welt einfügt und ihr spürbar Leben einhaucht. Mir haben die vielen Beschreibungen von Räumlichkeiten und vom äußeren Erscheinungsbild der Figuren sehr gefallen. Orte, Kleidung und Personen werden so detailliert dargestellt, dass man sich die Welt gut vorstellen kann und schnell ein klares Bild im Kopf hat. Gegen Ende des Buches hat es für mich etwas nachgelassen, sodass ich nicht mehr ganz so viele klare Bilder im Kopf hatte wie zuvor. Das war stellenweise etwas schade, insgesamt aber auch in Ordnung, da der Fokus dort stärker auf dem Abschluss der Geschichte lag.
Das Buch lebt weniger von einer actionreichen Handlung sondern von inneren Konflikten, Entwicklungen und Konsequenzen. Die Geschichte erstreckt sich über mehrere Zeitsprünge. Gerade nach diesen Zeitsprüngen hatte ich kurzzeitig das Gefühl, den emotionalen Anschluss zu verlieren, da Beziehungen und Dynamiken neu eingeordnet werden müssen. Das ist für mich eine kleine Schwäche des Romans, auch wenn ich verstehe, dass diese Struktur notwendig ist, um das Ende in dieser Form zu ermöglichen. Glücklicherweise findet man relativ schnell wieder in die Geschichte zurück.
Ein zentrales Thema des Buches ist der Umgang mit Konsequenzen, was es bedeutet, mit den eigenen Taten zu leben, egal wie gerechtfertigt sie sich im Moment angefühlt haben. Was mich besonders beeindruckt hat, ist, wie es der Autorin gelingt, trotz Medeas oft moralisch fragwürdiger oder sogar grausamer Entscheidungen eine starke emotionale Bindung zu ihr aufzubauen. Man leidet mit ihr, ist wütend auf sie, versteht sie und verurteilt sie zugleich. Diese Ambivalenz macht die Figur unglaublich spannend und menschlich.
Es gab immer wieder Passagen, in denen ich bewusst Pausen brauchte; nicht aus Langeweile, sondern weil mich die Emotionen überwältigt haben. Angst, Wut, Trauer: Gefühle, die ich bei vielen anderen Büchern so intensiv nicht erlebe. Medea berührt auf einer anderen Ebene als klassische Liebesgeschichten oder typische Fantasyromane. Es ist kein Buch zum Wegatmen, sondern eines, das nachhallt.
Der Abschluss jedoch etwas überhastet, da viele Entwicklungen in kurzer Zeit zusammengeführt werden. Ich hätte mir hier mehr Raum und ein längeres Auskosten der Konsequenzen gewünscht. Dennoch ist das Ende inhaltlich stimmig, emotional überzeugend und passt gut zu Medeas Weg.
Fazit
Medea ist ein düsteres, emotionales Fantasybuch, das sich Zeit für seine Figuren nimmt und vor allem durch seinen besonderen Schreibstil und die intensive Nähe zur Hauptfigur überzeugt. Es ist keine Geschichte für zwischendurch, sondern ein Buch, auf das man sich einlassen muss. Wer vielschichtige Charaktere, moralische Grauzonen und eine von Mythologie geprägte Welt schätzt, wird hier ein sehr eindrückliches Leseerlebnis finden.
4 bis 4,5 Sterne