komplexe Figur neu erzählt

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brigitteb Avatar

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Der antike Dramatiker Euripides hatte vor vielen hundert Jahren die Geschichte der Medea erzählt. Eine Frau, die seither als eine der dunkelsten Figuren der griechischen Mythologie bekannt ist. Medea, die Hexe. Medea, die Mörderin ihrer eigenen Kinder. Nicht gerade ein schmeichelhafter Ruf, der wohl bis in die Neuzeit hinein Autoren davon abgehalten hat, dieser Figur ein eigenes Buch zu widmen. Rosie Hewlett hat sich an eine komplette Neuerzählumg gewagt und bereits das wunderschöne Cover hatte auf mich eine magnetische Anziehungskraft.

Die Autorin nimmt uns mit bis an den Anfang. Wir lernen das kleine Mädchen Medea kennen. Eine Königstochter, die unter einem lieblosen, brutalen Vater und einem sadistischen Bruder zu leiden hat. Die Mutter, selbst eingeschüchtert und abgestumpft, vermag dem Mädchen weder Liebe noch Wärme zu schenken. Bereits im Kindesalter erwachen in dem Kind grosse magische Fähigkeiten, die sie aber zur Ausgestossene und Geächteten machen. Sie wächst unter zahlreichen Repressalien zu einer jungen Frau heran. Sie erkennt schon früh, dass sie trotz, oder gerade wegen ihrer magischen Fähigkeiten zum Spielball machtgieriger Menschen wird. Die Ereignisse werden immer dramatischer und gipfeln im Unvorstellbaren.

Eine kraftvolle, magische, feminine und zugleich feministische Erzählung. Das Lied einer Frau, die nie ihren Platz im Leben finden durfte, getrieben von Schuld und Rache. Der Roman ist dramaturgisch hervorragend orchestriert. Die beinahe 500 Seiten lesen sich flüssig und ohne Langeweile. Für die Ausgestaltung der Charaktere bleibt bei dieser Länge ausreichend Platz. Nun können wir diese Figur auch aus einem anderen Blickwinkel sehen: Medea, die Leidenschaftliche. Medea die Verratene. Medea die Alleingelassene.

Mein gewähltes Zitat aus diesem Buch: "Ich bin nicht blind für die Grenzen, die eine Frau beschränken."