Sehr gelungen

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jolie_24635 Avatar

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Mit ihrem Roman Medea präsentiert Rosie Hewlett eine eigenständige und zeitgemäße Annäherung an den antiken Stoff. Die Neuerzählung steht exemplarisch für den aktuellen Trend, griechische Mythen neu zu interpretieren, und kann sich mühelos neben Werken wie Circe oder Psyche & Eros behaupten. Im Zentrum steht dabei ein klarer Perspektivwechsel: Die Handlung wird aus Medeas persönlicher Sicht entfaltet und löst sich bewusst von einer distanzierten Außensicht. Auf diese Weise entsteht ein komplexes Charakterbild, das gängige Darstellungen Medeas als unberechenbare oder grausame Figur aufbricht. Hewlett legt den Fokus auf innere Konflikte, Gefühle und Motive und regt damit zu einer kritischen Auseinandersetzung mit traditionellen Frauenrollen der Mythologie an. Der bildhafte und zugängliche Schreibstil trägt dazu bei, dass die Geschichte trotz ihres bekannten Ausgangsmaterials Spannung entwickelt. Insgesamt überzeugt der Roman als vielschichtige und gelungene moderne Interpretation des Mythos.