Sehr spannend

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leserinlu Avatar

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Ich mochte schon das Drama Medea von Euripides, deshalb wusste ich, dass der Stoff rund um Medea, die Nichte der Zauberin Circe, für diesen Roman einfach gut ist: eine mächtige Frau, eine toxische Liebe und ein Held, der bei näherer Betrachtung vielleicht gar keiner ist. In diesem Roman wird all das auf eine Weise neu erzählt, die spannend und modern ist.

Besonders überzeugend fand ich die kritische Perspektive auf Jason, die der Roman einnimmt. Statt als strahlender Anführer erscheint er hier als Paradebeispiel einer „red flag“ – ein Mann, der Selbstzweifel mit Charme übertüncht, Abhängigkeiten schafft und Medea letztlich in eine toxische Beziehung lockt. Ich habe mich beim Lesen richtig über ihn aufgeregt. Dieser Blick auf Jason verleiht dem alten Mythos eine hohe Aktualität und macht Medeas Entscheidungen und letztlich auch ihre Tragik greifbarer.

Trotz der über 500 Seiten blieb der Roman für mich durchgehend spannend. Ich habe den Roman fast in einem Zug verschlungen. Eine große Empfehlung für alle, die moderne Neuerzählungen griechischer Mythen lieben, besonders nach der Lektüre von Circe von Madeline Miller!