Vielschichtig :)

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nicki Avatar

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Medea von Rosie Hewlett hat mich auf eine Weise beeindruckt, wie es nur seltene mythologische Neuinterpretationen schaffen. Die Autorin nimmt die bekannte Figur der Medea, einst bekannt als mächtige Zauberin und Verräterin, und erzählt ihre Geschichte aus ihrer eigenen Perspektive, so dass sie nicht länger nur als „Monster“ in Erinnerung bleibt, sondern als eine Frau mit Gefühlen, Zielen, Schwächen und Zweifeln. Schon diese Herangehensweise verleiht dem Buch eine emotionale Tiefe, die mich sehr angesprochen hat, weil hier nicht bloß ein Mythos wiedererzählt wird, sondern ein Mensch dahinter spürbar wird.

Die Geschichte beginnt in einer Welt, die rau und unbarmherzig ist, und führt die Leserinnen durch Medeas Kindheit, ihren Aufbruch aus einer fremden Heimat, ihr Leben am Hof und ihre komplizierte Beziehung zu Jason und den Argonauten. Besonders gelungen finde ich, wie Hewlett Medeas innere Zerrissenheit darstellt: Einerseits ist sie stark, furchtlos und klug, andererseits ständig auf der Suche nach Zugehörigkeit und Liebe. Diese Mischung aus Stärke und Verletzlichkeit macht sie für mich zu einer sehr greifbaren Figur, die mehr ist als eine bloße Projektion alter Sagen.