Düster, rätselhaft und sofort packend

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smoll04 Avatar

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Mein erster Eindruck von der Leseprobe ist richtig stark. Der Schreibstil ist atmosphärisch dicht und gleichzeitig sehr klar, besonders der Prolog hat mich sofort gepackt. Diese unheimliche, fast surreale Szene mit dem Kind an den Klippen erzeugt direkt Gänsehaut. Man merkt sofort: Hier stimmt etwas ganz und gar nicht. Die Sprache ist dabei nicht übertrieben kompliziert, sondern genau dosiert, sodass die Bilder im Kopf hängen bleiben. Der Spannungsaufbau funktioniert für mich richtig gut, weil vieles nur angedeutet wird. Was ist da nachts passiert? Wer oder was war diese Gestalt? Und warum wird das Ganze so nüchtern weitererzählt? Diese offenen Fragen erzeugen eine unterschwellige Bedrohung, die sich dann im ersten Kapitel auf eine ganz andere, eher zwischenmenschliche Ebene verlagert. Gerade dieser Wechsel macht neugierig. Die Charaktere wirken sofort glaubwürdig und interessant. Henrike fand ich besonders spannend - man merkt schnell, dass hinter ihrer kontrollierten Art viel Unsicherheit und Verletzung steckt. Auch Hans wirkt nicht einfach unsympathisch, sondern eher kompliziert und verschlossen. Und dann ist da noch Freddy mit seinen „Visionen“, was dem Ganzen eine zusätzliche, leicht mysteriöse Note gibt. Ich erwarte eine Geschichte, in der sich psychologische Spannung und ein düsteres Geheimnis immer weiter zuspitzen. Dieses Setting mit zwei Familien, einem abgelegenen Ferienhaus und einer belasteten Vergangenheit verspricht einiges. Ich würde auf jeden Fall weiterlesen, weil ich unbedingt herausfinden will, wie alles zusammenhängt und was in diesem Sommer so eskalieren wird, dass er tödlich endet.