Spannender Urlaub

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kampfkatze Avatar

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Till Raether beweist mit Meeresdunkel, dass er die Klaviatur des norddeutschen Noir-Krimis meisterhaft beherrscht. Im Zentrum steht der Kommissar Adam Danowski, eine Figur, die erfreulicherweise so gar nicht dem Klischee des strahlenden Helden entspricht. Danowski ist erschöpft, grüblerisch und schleppt eine Melancholie mit sich herum, die perfekt zur rauen Kulisse der schleswig-holsteinischen Küste passt.
​Die Atmosphäre ist der heimliche Star des Buches. Raether fängt das Unwirtliche, das „Dunkle“ des Meeres und der Küstenlandschaft so präzise ein, dass man beim Lesen fast das Salz auf der Haut spürt. Es geht nicht nur um einen Kriminalfall, sondern um die psychologischen Abgründe der Beteiligten. Die Handlung ist geschickt konstruiert: Was als vermeintlich klarer Fall beginnt, zieht immer weitere Kreise und führt tief in die Vergangenheit und in moralische Grauzonen.
​Besonders hervorzuheben ist Raethers Schreibstil. Er schreibt unaufgeregt, aber mit einer feinen Beobachtungsgabe für menschliche Schwächen und einem trockenen, fast schon existenzialistischen Humor. Wer einen rasanten Action-Thriller sucht, ist hier falsch. Wer aber Wert auf dichte Stimmung, komplexe Charaktere und eine Sprache legt, die nachklingt, wird von diesem Buch tief in den Bann gezogen. Ein Kriminalroman, der unter die Oberfläche taucht – dort, wo es wirklich dunkel ist.