Wenn der perfekte Sommer plötzlich Angst macht

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern
siremdbm Avatar

Von

Ich liebe Thriller, die mich schon in den ersten Seiten aus der Komfortzone schubsen, und genau das passiert in der Leseprobe zu „Meeresdunkel“. Die Eröffnungsszene mit dem Kind auf dem Plateau unter der Steilklippe ist unglaublich atmosphärisch: Meer, Lavagestein, Katzenaugen im Dunkeln – und dann diese seltsame Gestalt, die aus dem Wasser zu kommen scheint. Der Stil ist sehr bildhaft, ruhig erzählt und trotzdem hochspannend, weil sich alles langsam vor den eigenen Augen zusammenzieht wie ein Albtraum, aus dem man nicht wegschauen kann.

Als dann der Schnitt zu Henrike, Hans, den Zwillingen und Freddy am Flughafen kommt, mochte ich sofort die Art, wie Till Raether Familienkonflikte beschreibt: leise, treffend, mit kleinen, schmerzhaften Beobachtungen – von der Überraschungsreise bis zu den unausgesprochenen Verletzungen. Man spürt, dass hier mehrere Ebenen zusammenlaufen: eine Familie kurz vor dem Knall, eine Vergangenheit, die plötzlich wieder auftaucht, und ein Ferienhaus, von dem man schon weiß, dass dieser Sommer tödlich enden wird. Ich würde unbedingt weiterlesen, weil ich das Gefühl habe, dass hier nicht nur ein spannendes Verbrechen erzählt wird, sondern auch ein intensiver, emotionaler Blick auf Beziehungen, Schuld und das, was unter der glatten Urlaubsoberfläche wirklich brodelt