Zwischen Brandung und Beklemmung

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Meeresdunkel entfaltet schon auf den ersten Seiten eine Stimmung, die sich wie salzige Luft auf die Haut legt: zunächst warm, dann zunehmend schwerer. Die Doppelbuchung zweier Familien wirkt wie ein alltägliches Missgeschick, doch schnell spürt man, dass hier viel mehr unter der Oberfläche brodelt. Die Finca, die eigentlich ein Ort der Erholung sein sollte, trägt Risse – nicht nur im ausgetrockneten Pool, sondern auch in der Atmosphäre zwischen den Figuren.

Till Raether versteht es, diese feinen Spannungen so präzise zu zeichnen, dass man als Leserin sofort in den Bann gerät. Die unfreiwillige Nähe, die unausgesprochenen Konflikte, das aufziehende Gewitter über der Bucht – all das verdichtet sich zu einer unterschwelligen Bedrohung, die sich langsam, aber unaufhaltsam ausbreitet. Besonders reizvoll ist die Andeutung, dass niemand zufällig an diesem Ort ist und die Vergangenheit der Beteiligten wie ein dunkler Schatten mitreist.