Ein eher ruhiger Krimi

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melli-s Avatar

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Meeresdunkel von Till Raether hat mich vor allem durch diese unterschwellige, fast schleichende Spannung gepackt. Am Anfang wirkt alles noch relativ harmlos – zwei Familien, ein gemeinsamer Urlaub, ein bisschen Reibung. Aber man merkt ziemlich schnell: Da stimmt was nicht.
Was mir gut gefallen hat, ist diese dauernde unterschwellige Unruhe. Es passiert gar nicht ständig etwas Spektakuläres, aber genau das macht es irgendwie beklemmend. Man hat beim Lesen immer das Gefühl, dass gleich etwas kippt. Spätestens mit der Leiche ist dann klar: Das hier wird kein entspannter Urlaub mehr.
Die Figuren fand ich insgesamt gelungen – nicht unbedingt sympathisch, aber interessant. Jeder hat so seine Geheimnisse, und man fängt automatisch an, allen zu misstrauen. Gerade dieses Hin und Her zwischen den Personen macht für mich einen großen Teil der Spannung aus.
Der Schreibstil ist eher ruhig und unaufgeregt. Das passt zwar gut zur Stimmung, aber an manchen Stellen hätte es für meinen Geschmack ruhig etwas schneller gehen dürfen. Dafür zieht das Ende dann nochmal ordentlich an.
Fazit: Kein lauter Thriller, sondern eher ein ruhiger, psychologischer Spannungsroman, der sich langsam aufbaut und dann hängen bleibt. Wenn man Geschichten mag, die mehr von Atmosphäre und Figuren leben als von Action, ist das hier genau richtig.