Familiengeheimnisse unter mallorquinischer Sonne

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Mit dem Buch "Meeresdunkel" legt Till Raether einen psychologischen Thriller vor, der mit einer starken Grundidee beginnt. Zwei Familien und eine Doppelbuchung eines abgelegenen Ferienhauses auf Mallorca bilden die Kulisse für einen Sommer, der tödlich endet. Der Klappentext verspricht düstere Atmosphäre, psychologische Abgründe und große Spannung. Für mich konnte das Buch dieses Versprechen allerdings nur teilweise einlösen.
Die Ausgangssituation ist definitiv spannend. Zwei einander fremde Familien stranden unfreiwillig gemeinsam in einer abgelegenen Finca, ein Unwetter zieht auf, das Haus birgt Geheimnisse und dann ist jemand tot. Gerade das Setting hat mir gut gefallen. Die einsame Finca, die bedrohliche Stimmung und das unterschwellige Gefühl, dass hier etwas nicht stimmt, erzeugen eine angenehm düstere Atmosphäre.
Erzählt wird die Geschichte aus mehreren Perspektiven, was ich grundsätzlich sehr gerne mag. Dadurch entstehen unterschiedliche Blickwinkel auf das Geschehen. Auch die zweite Zeitebene hat mir gut gefallen, weil sie nach und nach neue Zusammenhänge offenbart und das Gesamtbild langsam erweitert. Dieser Aufbau sorgt dafür, dass man weiterlesen möchte, um hinter die Verbindungen der Figuren zu kommen. Was mir allerdings gefehlt hat, war die Tiefe der Charaktere. Auch das Erzähltempo war für mein Empfinden zu langsam. Die Geschichte braucht sehr lange, um wirklich in Gang zu kommen, und zieht sich besonders im Mittelteil spürbar. Es passiert durchaus einiges, aber oft ohne die nötige Intensität oder den Nervenkitzel, den ich mir von einem Thriller erhofft hatte. Die Atmosphäre ist da, die Spannung leider nur phasenweise. Erst im letzten Drittel nimmt die Geschichte deutlich Fahrt auf und wird spürbar packender.
Die Auflösung ist gut durchdacht und bringt einige überraschende Verknüpfungen mit. Hier merkt man, dass der Roman clever konstruiert ist und auf ein komplexes Gesamtbild hinausläuft. Das Ende ist schlüssig und interessant gelöst, konnte für mich den eher zähen Weg dorthin aber nicht ganz ausgleichen.
Insgesamt ist das Buch ein solider konstruierter Thriller mit einer interessanten Prämisse, starker Atmosphäre und guten Ansätzen, der für mich jedoch hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt. Wer psychologische Spannung mit ruhigem Aufbau und verschachtelten Familiengeheimnissen mag, könnte hier durchaus auf seine Kosten kommen. Wer jedoch einen packenden Thriller mit konstant hohem Spannungsniveau erwartet, dürfte eher enttäuscht sein.