Tot auf Mallorca, aber alles andere als ein Urlaubskrimi

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern Leerer Stern
yernaya Avatar

Von

MEERESDUNKEL von Till Raether weckt hohe Erwartungen. Das schöne Cover, ergänzt durch einen passenden Farbschnitt, stimmen auf eine dramatische Handlung ein. Dunkle Wolken stehen bedrohlich über der Küstenlandschaft, das Paradies birgt Gefahren. Und das Cover verspricht einen Thriller. Damit beginnt dann auch das Problem, denn ein Thriller ist das Buch mitnichten. Ich tue mich schon schwer damit, es als Krimi zu bezeichnen, wenn ich ehrlich bin. Bis zur Hälfte des 416 Seiten umfassenden Buches haben wir es eher mit einem Beziehungsdrama zu tun. Zwei Familien treffen in einem heruntergekommenen Ferienhaus aufeinander. Was zunächst nach einer Doppelbuchung ausschaut, erweist sich mehr und mehr als eine ausgeklügelte Strategie - doch wer ist der Stratege? Und was steckt wirklich dahinter? Was zunächst nach einem Mallorca-Krimi klingt, erweist sich ziemlich bald als eine locked room Situation: Bedrohliche Abgeschiedenheit von der Außenwelt statt Insel-Flair und Malle Vibe. Dabei trägt Raether ziemlich dick auf. Das Haus ist eigentlich gar nicht wirklich bewohnbar, erst recht nicht mit Kindern. Das aufziehende Unwetter ist apokalyptisch. Alles ist bedrohlich, doch die Erwachsenen scheinen das als gegeben hinzunehmen. Die Ereignisse und Verhaltensweisen sind stark überzeichnet. Dabei gibt es keine wirklichen Sympathieträger. Das ist auch nicht erforderlich, wenn die Handlung überzeugt. Leider hat das bei mir nur in einem eingeschränkten Rahmen funktioniert. Das Setting und die Grundidee waren gut, und ich wollte die Lösung erfahren. Aber ein Pageturner ist MEERESDUNKEL deshalb nicht. Eher ein durchschnittliches Buch, dass sein Potential leider nicht ausschöpft.