Ungewöhnlicher Thriller

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern
rinoa Avatar

Von

Dies war mein erstes Buch von Till Raether und ich bin immer noch ganz begeistert von seinem doch eher ungewöhnlichen und ganz eigenen Schreibstil. Dieser wirkt nicht so weichgespült, sondern fast ein wenig roh, wodurch man die jeweiligen Gedanken und Gefühle fast schon ungefiltert mit- und abbekommt. Dies wird durch das verwendete Präsens noch verstärkt.

Erzählt wird hauptsächlich aus drei verschiedenen Perspektiven (Henrike, Samuel und dessen Sohn Juri) und auch innerhalb dieser wechselt die Sprache fast unmerklich von sehr emotional, über etwas rationaler bis hin zu kindlich, je nachdem, wer gerade an der Reihe ist - das war schon echt gut gemacht. Spannend auch, dass Henrike und Samuel so mit sich selbst beschäftigt sind, dass sie überhaupt nicht merken, was um sie herum passiert.

Die Geschichte an sich löste von Beginn an ein leichtes Grauen bei mir aus (nicht zuletzt dank des starken Prologs), ohne dass ich das an etwas Bestimmten festmachen konnte. Die Atmosphäre ist jedenfalls großartig beschrieben und fest steht auch, dass beide Familien ihre ganz eigenen Probleme und Eigenheiten haben.

Leider verflacht das Buch im zweiten Teil für meinen Geschmack ein wenig. Und obwohl ich kein Fan davon bin, wenn am Ende alles ganz schnell geht, fand ich die häppchenweise Auflösung hier teilweise etwas anstrengend und leider auch etwas konstruiert. Auch blieben einige Dinge ein bisschen in der Luft hängen, was aber durchaus stimmig war.

Ich habe "Meeresdunkel" wirklich gemocht, wer einen ungewöhnlichen und nicht dem Einheitsbrei entsprechenden Thriller sucht, ist hier auf jeden Fall gut aufgehoben.