Urlaubsidylle mit dunklen Abgründen, die nicht ganz zünden

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doroko Avatar

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Ich habe „Meeresdunkel“ von Till Raether gelesen, aber es hat mich nicht wirklich überzeugen können ...
Als absoluter „Cover-Gucker“ ist mir dieses Cover natürlich sofort aufgefallen: Durch die goldenen und leicht orangen Farben strahlt es ein gewisses Urlaubsfeeling aus, jedoch setzen die schwarzen Elemente als Kontrast den eher düsteren Titel „Meeresdunkel“ in Szene.
In der Geschichte möchte Henrike mit ihrem Mann Hans, Onkel Freddy und den Zwillingen einen perfekten Familienurlaub in einer Finca verbringen – ein Neuanfang weit weg vom Alltag. Doch vor Ort die Überraschung: Eine weitere Familie ist wegen einer Doppelbuchung bereits da. Man beschließt, sich das Haus zu teilen. Doch die Idylle bröckelt schnell: Die Finca ist heruntergekommen, der Pool leer und die Atmosphäre wird immer bedrohlicher. Nach einem schweren Gewitter finden sie eine Leiche aus ihren eigenen Reihen. Schnell wird klar: Das Treffen war kein Zufall und die Urlauber sind sich weniger fremd, als sie behaupten.
Der Schreibstil ist insgesamt gut lesbar und eher ruhig gehalten, fast schon zurückhaltend. Ich hatte stellenweise das Gefühl, dass die Spannung eher unterschwellig aufgebaut wird, anstatt mitreißend nach vorne zu treiben. Die Kapitel sind angenehm kurz, welches das Lesen durchaus flüssig macht, auch wenn ich mir manchmal etwas mehr Tempo oder Zuspitzung gewünscht hätte. Erzählt wird aus drei unterschiedlichen Perspektiven, was grundsätzlich für Abwechslung sorgt und verschiedene Blickwinkel eröffnet. Allerdings haben mich diese Wechsel nicht immer komplett abgeholt, da manche Perspektiven stärker wirkten als andere.
Bei den Charakteren fand ich Henrike als Hauptfigur interessant angelegt, auch wenn sie mir emotional nicht immer ganz nahekam. Ihre Entwicklung ist nachvollziehbar, aber an manchen Stellen hätte ich mir mehr Tiefe gewünscht. Hans hingegen wirkt eher verschlossen und trägt viel Ungesagtes mit sich herum, was ihn zwar geheimnisvoll macht, aber auch etwas distanziert erscheinen lässt. Und Onkel Freddy bringt mit seiner Art eine gewisse Unruhe hinein, fast schon etwas Unberechenbares. Juri und Samuel ergänzen das Figurenensemble auf unterschiedliche Weise. Juri hat etwas Bodenständiges, während Samuel eher schwer zu durchschauen ist und dadurch Spannung erzeugt. Marie bleibt für mich etwas blasser als die anderen, obwohl sie durchaus Potenzial gehabt hätte, mehr Einfluss auf die Handlung zu nehmen.
Auch wenn es zum Ende hin nochmal spannend geworden ist und die Auflösung sowie die Verbindung der Figuren mich überrascht hat, wirkte die Geschichte teilweise doch sehr wirr und zu konstruiert. Von daher gibt es von mir drei Sterne.
Aber wie immer gilt: Es möge sich bitte jeder Interessierte seine eigene Meinung bilden!