Zwischen Urlaubsidylle und unterschwelliger Bedrohung.

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hexenbücherei Avatar

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'Meeresdunkel' von Till Raether beginnt für mich erstmal wie eine etwas unangenehme Urlaubssituation. Zwei Familien treffen aufeinander, weil sie dasselbe Haus gebucht haben, und müssen sich irgendwie arrangieren. Was zunächst wie eine unangenehme, aber lösbare Situation wirkt, kippt langsam. Die Atmosphäre wird zunehmend bedrückend, alte Spannungen und unterschwellige Konflikte treten hervor, und schließlich passiert etwas, das alles verändert, ohne dass man sofort versteht, warum diese Menschen überhaupt zusammengeführt wurden. Entscheidend ist weniger das 'Was passiert?', sondern das 'Warum sind sie hier?' und 'Was verbindet sie wirklich?'. Genau dieses langsame Aufziehen der Bedrohung ist der eigentliche Motor der Handlung.

Ich muss sagen, die ersten etwa 80 Seiten fand ich ehrlich gesagt schwierig. Ich musste mich erstmal an den Schreibstil gewöhnen, weil man sehr stark in den Gedanken der Figuren ist und das Ganze teilweise fast protokollartig wirkt. Das hat es für mich am Anfang etwas distanziert gemacht, weil ich nicht sofort emotional drin war. Gleichzeitig passt genau das aber auch irgendwie zur Stimmung des Buches dieses leicht Kühle, Beobachtende.

Am spannendsten fand ich von Anfang an Juri. Er hat seine Puppe Hedwig dabei und geht mit ihr auf eine Art um, die sofort irritierend ist. Er vermenschlicht sie total, projiziert seine eigenen Bedürfnisse auf sie und lässt sie quasi für sich sprechen. Das war für mich direkt so ein unterschwelliges Unbehagen, das sich durchzieht, nicht laut oder schockierend, sondern eher dieses leise 'da stimmt etwas nicht'. Gerade solche Details machen für mich die Stärke des Buches aus, weil sie ohne große Effekte funktionieren.

Was mir insgesamt gut gefallen hat, ist diese langsame, sich aufbauende Spannung. Es passiert lange nichts Spektakuläres, aber man merkt, wie sich alles zuspitzt. Die Figuren wirken dabei nicht wie typische Thriller-Charaktere, sondern eher wie echte Menschen mit eigenen Problemen, was die Situation noch unangenehmer macht. Die Atmosphäre in diesem abgelegenen Haus, das eigentlich nach Urlaub klingt, aber sich zunehmend bedrückend anfühlt, fand ich sehr gelungen.

Was ich etwas schwierig fand, war eben genau dieses langsame Tempo am Anfang und stellenweise auch zwischendurch. Man braucht Geduld, und ich kann verstehen, wenn man da nicht direkt reinkommt. Außerdem sorgt der sehr kopflastige Stil dafür, dass man manchmal eher beobachtet als wirklich mitfühlt.

Das Cover passt für mich ziemlich gut. Es wirkt erstmal ruhig und fast schön, aber gleichzeitig schwingt etwas Düsteres mit, genau wie die Geschichte selbst, die unter der Oberfläche immer unangenehmer wird.

Insgesamt fand ich 'Meeresdunkel' eher einen leisen, psychologischen Thriller als einen klassischen Spannungsroman. Kein Buch für zwischendurch, sondern eher eines, bei dem man sich auf die Stimmung und die Figuren einlassen muss. Ich würde es vor allem Leuten empfehlen, die genau sowas mögen. Langsame Spannung, viel Innenleben und dieses konstante Gefühl, dass etwas nicht ganz greifbar ist, aber definitiv falsch läuft.