Blutiges Paradies, raue Sitten.

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fönbo Avatar

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Die Leseprobe zu Christoph Kastenbauers Kriminalroman "Meertotfrau" zieht die Leserin / den Leser in einen packenden Kontrast aus tropischer Idylle und brutaler Realität.

Der Einstieg führt uns nach Costa Rica, wo der ehemalige Berliner SEK-Beamte Richard "Costa Rico" Graber inzwischen als Sicherheitschef arbeitet. Statt eines makellosen Klischee-Ermittlers begegnen wir einem herrlich unperfekten Protagonisten mit deutlichem Bauchansatz und viel Humor. Seine lässige Art, die Badehose in Nationalfarben und das Faultier Fred Feuerstein machen ihn auf Anhieb sympathisch. Doch die tropische Leichtigkeit trügt von der ersten Seite an gewaltig.

Als die Leiche einer jungen Touristin angespült wird, schlägt die Urlaubsstimmung abrupt in bitteren Ernst um. Fesselnd wirkt die persönliche Verbindung, die Rico offenbar zu dem Opfer hatte. Gleichzeitig deutet der Text eine vielschichtige Ebene rund um das grausame Haifinning an.

Diese gesellschaftlich relevante Thematik verleiht der eigentlich klassischen Mördersuche eine angenehme Tiefe.

Der Schreibstil liest sich flüssig, ist angenehm direkt und transportiert die dichte Atmosphäre hervorragend. Man spürt förmlich das feuchtwarme Klima und die lauernde Gefahr unter den Palmen. Auch Ricos eigene, düstere Vergangenheit in Berlin wirft bereits erste Schatten voraus.

Die Mischung aus schwarzem Humor, Lokalkolorit und einem harten Kriminalfall funktioniert hervorragend. Nach dem Ende der Textauswahl bleibt ein starkes Verlangen zurück, den Fall gemeinsam mit dem unkonventionellen Ermittler zu lösen.

Ein absolut vielversprechender und erfrischender Auftakt für eine neue Krimi-Reihe.