Zwischen Urlaubsparadies und menschlichen Abgründen

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sunshine22 Avatar

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Costa Rica, traumhafte Strände, tropische Natur und ein Luxusresort – eigentlich klingt die Kulisse von Meertotfrau nach einem absoluten Paradies. Doch Christoph Kastenbauer zeigt ziemlich schnell, dass hinter dieser wunderschönen Fassade ganz andere Dinge lauern. Die Mischung aus exotischem Setting, brutaler Kriminalität und einem ziemlich ungewöhnlichen Protagonisten hat das Buch für mich definitiv von klassischen Krimis abgehoben.

Im Mittelpunkt steht Richard Graber, der mittlerweile nur noch „Costa Rico“ genannt wird. Früher gehörte er zum SEK in Berlin, inzwischen arbeitet er als Sicherheitschef eines Luxusresorts in Puerto Limón. Mit dem typischen unfehlbaren Ermittler hat Rico allerdings herzlich wenig gemeinsam: Er hat einen Bauchansatz, feiert gerne etwas zu ausgiebig, gerät regelmäßig in ziemlich fragwürdige Situationen und besitzt mit dem Faultier Fred Feuerstein einen wirklich außergewöhnlichen Mitbewohner.

Gerade Rico hat für mich einen großen Teil des Unterhaltungswertes ausgemacht. Er ist ein ziemlich spezieller Antiheld, manchmal chaotisch und alles andere als vorbildlich. Sein lockerer, teilweise derber und sarkastischer Ton muss einem sicherlich liegen, bringt aber gleichzeitig viel Persönlichkeit in die Geschichte. Hinter seiner rauen Fassade steckt außerdem eine Vergangenheit, die erklärt, warum er Deutschland hinter sich gelassen hat und heute der Mensch ist, der er ist.

Richtig düster wird die Geschichte, als eine grausam zugerichtete junge Touristin am Strand des Resorts gefunden wird – und Rico die Tote kennt. Gleichzeitig stößt er auf das brutale Geschäft mit dem sogenannten Shark Finning, bei dem Haien die Flossen abgeschnitten werden. Nach und nach entwickelt sich daraus ein wesentlich größeres Geflecht aus Gier und organisierter Kriminalität.

Besonders gelungen fand ich den starken Kontrast zwischen der Kulisse und der Handlung. Auf der einen Seite das tropische Costa Rica mit Meer, Strand und Urlaubsgefühl, auf der anderen Seite Gewalt, Korruption und menschliche Abgründe. Das sorgt für eine ganz eigene Atmosphäre und macht das Setting zu deutlich mehr als nur einer hübschen Kulisse.

Der Schreibstil ist flott und direkt und passt gut zu Rico als Hauptfigur. Teilweise geht es ziemlich derb und brutal zu, gleichzeitig lockern schwarzer Humor und skurrile Situationen die Geschichte immer wieder auf. Wer einen klassischen, ruhigen Ermittlerkrimi erwartet, dürfte deshalb überrascht werden. Meertotfrau ist eher laut, schräg und stellenweise ziemlich kompromisslos.

Was mir ebenfalls gefallen hat, ist, dass hinter dem eigentlichen Kriminalfall mit dem illegalen Handel mit Haiflossen auch ein reales und erschreckendes Thema aufgegriffen wird. Dadurch bekommt die Geschichte neben der Unterhaltung noch einmal eine ernstere Ebene.

Fazit

Meertotfrau ist für mich ein ungewöhnlicher Krimi, der vor allem durch sein Costa-Rica-Setting und seinen alles andere als gewöhnlichen Protagonisten heraussticht. Costa Rico ist definitiv kein aalglatter Ermittler, sondern ein Antiheld mit Ecken, Kanten, schlechten Entscheidungen und einer Vergangenheit, die ihn nicht loslässt. Gerade das macht ihn aber interessant.