Auf der Suche nach sich selbst

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern
julirudi Avatar

Von

Alena Schröders Roman „Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel“ entführt die Leser in eine Welt, die auf zwei Zeitebenen spielt. Während Marlen, ein 14-jähriges Mädchen nach Ende des Zweiten Weltkrieges, mit den Nachwirkungen ihrer Zeit kämpft, erleben wir gleichzeitig die Geschichte von Hannah, eine 34-jährige Frau, die nach der Pandemie versucht, ihren Platz in einer veränderten Welt zu finden, nachdem ihre beste Freundin nach sieben gemeinsamen WG-Jahren auszieht und beginnt, ein Erwachsenenleben zu führen: schwanger, mit Partner. Das bringt Hannah vollends aus dem Konzept und sie muss aus eigener Kraft versuchen, "klar zu kommen".
So wird die Verbindung von Marlen und Hannah durch eine kleine Leinwand im Verlauf der Erzählung immer greifbarer, während sich ihre Leben und Gedanken miteinander verweben.

Die Autorin versteht es meisterhaft, das Innenleben beider Protagonistinnen darzustellen und lässt den Leser tief in deren Emotionen eintauchen. Schröders Sprache ist dabei lebendig und fesselnd; sie schafft Bilder, die den Leser zum Schmunzeln bringen und zum Nachdenken anregen. Besonders in der aktuelleren Ebene gelingt es der Autorin, humorvolle und gleichzeitig nachdenkliche Momente einzufangen, die das Leseerlebnis bereichern.
Schröder lässt uns nicht nur die Herausforderungen beider Frauen miterleben, sondern regt auch zur Reflexion über die eigene Lebenssituation an. Man fühlt sich eng mit Marlen und Hannah verbunden, was die Geschichte umso eindringlicher macht.