Berührender Roman!
Schon das Cover von Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel zieht den Blick an: kräftige Farben, sichtbare Pinselstrukturen, ein zentrales Blau, das zugleich Ruhe und Tiefe ausstrahlt. Es wirkt wie ein offenes Gemälde – unvollendet, vieldeutig, genau wie die Lebensgeschichten im Roman. Alena Schröders Schreibstil ist feinfühlig und atmosphärisch, getragen von leisen Zwischentönen statt großer Dramatik. Auf zwei Zeitebenen verbindet sie die Schicksale von Marlen und Hannah und zeigt, wie Vergangenheit in die Gegenwart hineinwirkt. Besonders eindrucksvoll ist die Art, wie Schuld, Schweigen und familiäre Bindungen erzählt werden: ehrlich, warm und ohne moralischen Zeigefinger. Die Leinwand wird zum Symbol für Erinnerung und Weitergabe – für das, was bleibt, auch wenn vieles unausgesprochen ist. Ein berührender, kluger Roman, der nachdenklich macht und lange im Gefühl nachklingt.