Dieser ganze Familienkram
Mit großer Vorfreude erwartete ich diesen neuen Roman von Alena Schröder. Schon die beiden Romane 2022 „Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid“ und 2024 „Bei euch ist es immer so unheimlich still“ haben mich begeistert. Die Autorin ist unheimlich nah und emotional an ihren Figuren, sie fesselt den Leser, ohne auf verrückte Pointen setzen zu müssen. Es geht eher still zu in ihren Büchern, so auch in diesem mit dem etwas umständlichen Titel „Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel“, aber es geht unter die Haut, es berührt das Herz, wie sie ihre Geschichte entwickelt. Es scheint fast, als würde sich die Geschichte ohne äußeres Zutun ganz von allein entfalten und von einem kleinen bunten Stück Leinwand zu einem großen Lebensbild werden.
Worum geht es in diesem Buch? Zuerst lernt man das Mädchen Marlen kennen, die dem Todesstrudel von Demmin entkommen ist, nun aber nur noch an eine ertrunkene Mutter und einen mit ihr in die Tiefe gezogenen kleinen Bruder denken kann. Marlen ist Waise und sie ist klein, fast durchsichtig, aber unheimlich stark. Diese innere Stärke wird sie von den ersten Seiten des Buches bis zu seinem Ende tragen. Ich liebe diese Figur, sie hat sich mir tief eingeprägt.
Aber Marlen ist nur eine von vielen Protagonisten, die uns Alena Schröder präsentiert. Marlen lernt 1945 in einem alten Forsthaus bei Güstrow die „Krähenfrau“ Wilma kennen, die sie vor den Russen rettet. Wilma ist die Ehefrau von Jon Engels, DEM Jon Engels, wie es in Güstrow hieß, er war ein bekannter Maler, aber er landete wie viele andere im Krieg und im Kriegsgefangenenlager in der SU. Das stellt sich aber erst später heraus. Wilma ist also allein, hat aber Brurgel, die alte Haushälterin, die schon Jon die Windeln wechselte. Wilma nimmt Marlen mit in ihr Haus, gibt ihr eine Unterkunft und wird sie später adoptieren. Es entwickelt sich eine Zweckgemeinschaft, wie sie so wohl noch nicht in einem Roman beschrieben wurde. Mir ist jedenfalls keiner bekannt.
Die Zeiten wechseln im Buch, einerseits wird die Entwicklung von Marlen über viele Jahre bis 1961 geschildert, andererseits springt die Handlung zwischen 1989 (im Prolog), Marlens Güstrow und 2023 hin und her. 1989 lernt Marlen im Aufnahmelage Marienfelde die Ärztin Dr. Evelyn Borowski kennen, sie hat beschlossen, der DDR den Rücken zu kehren. Zufällig stellen die beiden Frau eine Gemeinsamkeit fest, beide lebten in Güstrow. Das Kennenlernen endet abrupt, aber im Kopf von Evelyn Borowski gehen die Gedanken hin und her. Es ist Weihnachten, ihre Tochter Silvia wird sie mit Enkelin Hannah besuchen. Und damit beginnt Hannahs Part in diesem Roman. Hannahs Familien- und Lebensgeschichte werden aus der Sicht des Jahres 2023 betrachtet und was Hannah erinnert und denkt, setzt ein Wechselspiel der Gefühle in Gang. Hannah ist mit 35 Jahre die Einzige, die übriggeblieben ist in ihrer kleinen Familie, die Großmutter und die Mutter sind beide verstorben, der Vater nicht existent. Bis zu dem Moment, in dem er sich in Erinnerung bring, mit einem riesigen Blumenstrauß und einem mystischen Gruß von Martin Klammer auf Papa Klammer zu.
Damit ist der Beginn der Familiengeschichte weit genug beschrieben, ich kann jedem, der solche gern liest, dieses Buch wärmstens empfehlen. Sehr oft warte ich sehnsüchtig darauf, dass Romane irgendwann zum Ende und auf den Punkt kommen. Bei Alena Schröder habe ich gänzlich gegensätzliche Empfindungen. Ich bin tatsächlich traurig, dass dieses Buch schon zu Ende ist. Es enthält so viel Lebensweisheit und -freude, so viele Szenen, bei denen man sich direkt zugehörig fühlt, sich hingezogen fühlt zu den Protagonisten, sei es zu Marlen, sei es zu Hannah, ich kann davon gar nicht genug bekommen.
Alena Schröder beschreibt aber nicht nur die Hauptfiguren mir viel Einfühlungsvermögen, es sind auch die Nebenfiguren, die sich zu interessanten Charakteren entwickeln. Um nicht zu viel vom Inhalt zu verraten, bleibe ich hier im Vagen.
Marlen ist es auch, die ich zu meiner Lieblingsfigur in diesem Roman erkoren habe, ihre Liebe und Achtung zu Wilma, auch zu Brurgel, ihr Verantwortungsgefühl für die beiden, die stärker sind als alles andere, ich habe sie tatsächlich dafür bewundert. Sie ist die wahre „Drachenreiterin“ in diesem Buch.
Fazit: Die schöne, schnörkellose Sprache der Autorin ließ mich mit großem Vergnügen diesen Roman erleben. Wenn Lesen zum Erlebnis wird, hat das Buch auf jeden Fall sein Ziel erreicht.
Worum geht es in diesem Buch? Zuerst lernt man das Mädchen Marlen kennen, die dem Todesstrudel von Demmin entkommen ist, nun aber nur noch an eine ertrunkene Mutter und einen mit ihr in die Tiefe gezogenen kleinen Bruder denken kann. Marlen ist Waise und sie ist klein, fast durchsichtig, aber unheimlich stark. Diese innere Stärke wird sie von den ersten Seiten des Buches bis zu seinem Ende tragen. Ich liebe diese Figur, sie hat sich mir tief eingeprägt.
Aber Marlen ist nur eine von vielen Protagonisten, die uns Alena Schröder präsentiert. Marlen lernt 1945 in einem alten Forsthaus bei Güstrow die „Krähenfrau“ Wilma kennen, die sie vor den Russen rettet. Wilma ist die Ehefrau von Jon Engels, DEM Jon Engels, wie es in Güstrow hieß, er war ein bekannter Maler, aber er landete wie viele andere im Krieg und im Kriegsgefangenenlager in der SU. Das stellt sich aber erst später heraus. Wilma ist also allein, hat aber Brurgel, die alte Haushälterin, die schon Jon die Windeln wechselte. Wilma nimmt Marlen mit in ihr Haus, gibt ihr eine Unterkunft und wird sie später adoptieren. Es entwickelt sich eine Zweckgemeinschaft, wie sie so wohl noch nicht in einem Roman beschrieben wurde. Mir ist jedenfalls keiner bekannt.
Die Zeiten wechseln im Buch, einerseits wird die Entwicklung von Marlen über viele Jahre bis 1961 geschildert, andererseits springt die Handlung zwischen 1989 (im Prolog), Marlens Güstrow und 2023 hin und her. 1989 lernt Marlen im Aufnahmelage Marienfelde die Ärztin Dr. Evelyn Borowski kennen, sie hat beschlossen, der DDR den Rücken zu kehren. Zufällig stellen die beiden Frau eine Gemeinsamkeit fest, beide lebten in Güstrow. Das Kennenlernen endet abrupt, aber im Kopf von Evelyn Borowski gehen die Gedanken hin und her. Es ist Weihnachten, ihre Tochter Silvia wird sie mit Enkelin Hannah besuchen. Und damit beginnt Hannahs Part in diesem Roman. Hannahs Familien- und Lebensgeschichte werden aus der Sicht des Jahres 2023 betrachtet und was Hannah erinnert und denkt, setzt ein Wechselspiel der Gefühle in Gang. Hannah ist mit 35 Jahre die Einzige, die übriggeblieben ist in ihrer kleinen Familie, die Großmutter und die Mutter sind beide verstorben, der Vater nicht existent. Bis zu dem Moment, in dem er sich in Erinnerung bring, mit einem riesigen Blumenstrauß und einem mystischen Gruß von Martin Klammer auf Papa Klammer zu.
Damit ist der Beginn der Familiengeschichte weit genug beschrieben, ich kann jedem, der solche gern liest, dieses Buch wärmstens empfehlen. Sehr oft warte ich sehnsüchtig darauf, dass Romane irgendwann zum Ende und auf den Punkt kommen. Bei Alena Schröder habe ich gänzlich gegensätzliche Empfindungen. Ich bin tatsächlich traurig, dass dieses Buch schon zu Ende ist. Es enthält so viel Lebensweisheit und -freude, so viele Szenen, bei denen man sich direkt zugehörig fühlt, sich hingezogen fühlt zu den Protagonisten, sei es zu Marlen, sei es zu Hannah, ich kann davon gar nicht genug bekommen.
Alena Schröder beschreibt aber nicht nur die Hauptfiguren mir viel Einfühlungsvermögen, es sind auch die Nebenfiguren, die sich zu interessanten Charakteren entwickeln. Um nicht zu viel vom Inhalt zu verraten, bleibe ich hier im Vagen.
Marlen ist es auch, die ich zu meiner Lieblingsfigur in diesem Roman erkoren habe, ihre Liebe und Achtung zu Wilma, auch zu Brurgel, ihr Verantwortungsgefühl für die beiden, die stärker sind als alles andere, ich habe sie tatsächlich dafür bewundert. Sie ist die wahre „Drachenreiterin“ in diesem Buch.
Fazit: Die schöne, schnörkellose Sprache der Autorin ließ mich mit großem Vergnügen diesen Roman erleben. Wenn Lesen zum Erlebnis wird, hat das Buch auf jeden Fall sein Ziel erreicht.