Ein Roman, der bleibt

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chemangel Avatar

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Ich habe mich sehr auf diesen Roman gefreut, da ich die beiden vorherigen Bücher der Autorin sehr geliebt habe, und auch dieses Buch hat mich vollkommen überzeugt. Wie schon zuvor erzählt die Geschichte auf zwei Zeitebenen von Frauen, deren Leben von Umbrüchen, Verlusten und der Suche nach Zugehörigkeit geprägt sind.
In der Nachkriegszeit begleitet man Marlen, die als junges Mädchen nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs plötzlich auf sich allein gestellt ist. Sie findet Schutz bei einer Frau, zu der sich im Laufe der Jahre ein kompliziertes, enges und zunehmend belastendes Verhältnis entwickelt. Diese Geschichte ist still, eindringlich und von einer unterschwelligen Spannung getragen. Vieles wird nicht ausgesprochen, wirkt aber umso stärker nach. Marlens Weg ist geprägt von Anpassung, Durchhaltewillen und einer leisen Stärke, die mich sehr berührt hat.
In der Gegenwart folgt man Hannah, Mitte dreißig, deren Leben nach außen eigentlich geordnet scheint. Doch als sich Freundschaften verändern, ihre beste Freundin einen ganz anderen Lebensentwurf wählt und familiäre Fragen plötzlich Raum einnehmen, gerät sie ins Wanken. Besonders eindrucksvoll fand ich, wie ehrlich dieses Gefühl beschrieben wird, stehen zu bleiben, während alle anderen scheinbar mühelos vorankommen. Hannahs Zweifel, ihre Unsicherheit und ihr Ringen um Selbstverständnis wirken sehr nah und authentisch.
Beide Erzählstränge greifen ruhig ineinander und spiegeln sich thematisch, ohne sich aufzudrängen. Die Figuren, auch die Nebenfiguren, sind fein gezeichnet und entwickeln Tiefe. Der Schreibstil ist warm, bildhaft und sehr flüssig zu lesen. Schwere Themen werden behutsam erzählt und lassen Raum für eigene Gedanken.

Als ich das Buch beendet hatte, war ich traurig, mich von diesen Figuren verabschieden zu müssen. Für mich ist dieser Roman eine klare Fünf-Sterne-Lektüre und eine große Empfehlung, besonders für alle, die die vorherigen Bände bereits ins Herz geschlossen haben.