Großartiger Abschluss der Trilogie

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Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel von Alena Schröder ist das dritte Buch der Trilogie, die von den drei Frauen der Familie Borowski handelt – Großmutter Evelyn, Mutter Silvia und Tochter Hannah.
Die beiden Vorgängerbände habe ich schon vor längerer Zeit gelesen, man kann jedoch problemlos in die Geschichte eintauchen, ohne die Vorgängerbände zu kennen.
Hannah, 35 und alleinstehend, lebt in Berlin. Ihre Mutter ist gestorben, als sie 19 war, zum Vater hat sie keinen Kontakt – bis er eines Tages mit einem riesigen Blumenstrauß vor ihrer Tür steht. Hannah wundert sich sehr über die späte Kontaktaufnahme – und das zurecht.
Auf einer zweiten Zeitebene begleiten wir die 14jährige Marlen, die sich im Frühjahr 1945 in einem alten Forsthaus in Güstrow vor den Russen versteckt. In dem verlassenen Haus trifft sie auf Wilma Engels, die das verängstigte Mädchen zu sich nach Hause mitnimmt. Wilma ist Malerin, doch bisher durfte sie nur ihrem Mann, dem berühmten Jon Engels assistieren. Zusammen mit Haushälterin Burgel und Marlen führt sie in der neu gegründeten DDR ein angenehmes Leben zwischen Haus, Garten und Atelier. Sie ist auf Marlens Hilfe beim Malen angewiesen, da ihre Sehkraft immer mehr nachlässt.
Ich mag den Schreibstil der Autorin, der mich jedes Mal fesselt und berührt. Ich mochte sowohl Hannahs als auch Marlens Geschichte, habe jedoch vergeblich nach einer Verbindung zwischen den beiden gesucht. Wilma hat mir sehr leidgetan. Zuerst wurde sie von ihrem Mann unterdrückt und misshandelt, dann konnte sie nicht malen, weil sie blind wurde.
Auch mit Marlen hatte ich großes Mitgefühl. Sie ist aus Demmin geflohen, wo ihre Mutter sie mit ihr und ihrem kleinen Bruder zusammen in den Tod reißen wollte. Wilma hat sie vor den Russen gerettet und ihr ein Zuhause gegeben. Verständlich, dass ihr die Entscheidung, Güstrow zu verlassen, nicht leichtgefallen ist.
Hannahs Geschichte ist nicht ganz so schwermütig, über ihren Mitbewohner Justus, ihre Erfahrungen mit der Dating App und die Familienaufstellung, auf die sie sich ihrer Kollegin zuliebe eingelassen hatte, musste ich schmunzeln.
Trotz der fehlenden Verbindung zwischen den beiden Geschichten vergebe ich gern fünf Sterne und spreche auch für den Abschlussband der Trilogie eine Leseempfehlung aus.