Gut geschrieben, aber dennoch ein wenig enttäuschend

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Alena Schröders Buch "Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel" ist die 3. Geschichte aus einer Jahrhundert umspannenden Reihe von Generationen- und Familenromanen. Wieder stehen Kunst und Familie, Herkunft und Identität im Mittelpunkt, erzählt aus weiblicher Perspektive.

Der 1. Handlungsstrang führt in die Nachkriegszeit der Barlachstadt Güstrow, in der die Waise Marlen bei der Malerin Wilma aufwächst und ihre eigenen künstlerischen Fähigkeiten unter Wilmas Obhut entwickelt.

Der 2. Handlungsstrang spielt 2023 in Berlin. Hier lernen wir Hannah Borowski kennen, die gerade in einer Lebenskrise steckt. Ihre beste Freundin ist aus der gemeinsamen WG ausgezogen und - viel einschneidender - ihr leiblicher Vater meldet sich und möchte nach drei Jahrzehnten Kontakt aufnehmen. Hannah ist unsicher, ob sie den Mann kennenlernen möchte.

Verbindendes Element der Erzählungen ist ein in Öl auf Leinwand gemaltes Bild, dass die 14jährige Waise Marlen findet und das für sie zum Fluchtpunkt in ihrem Leben wird. Denn dieses Bild wird über die Jahrzehnte immer wieder heimlich von ihr bearbeitet und steht somit für den Entwurf von etwas Eigenem. Marlen fühlt sich der Malerin Wilma verpflichtet, da diese sie nach dem Krieg aufgenommen hatte. Wilma verliert nach und nach ihr Augenlicht und nutzt Marlens Fähigkeiten, gibt deren Bilder als ihre Werke aus.

Das Ölbild spielt im Leben von Hannah in Berlin keine Rolle. Lediglich in wenigen Sätzen wird angedeutet, dass Hannah sich vor vielen Jahren mit einer Freundin auf die Suche nach dem Bild gemacht hatte. Hannah inzwischen hat in Berlin mit der Frage zu tun, ob sie den Kontakt zu ihrem Vater und seiner Frau sowie Hannahs Halbbrüdern vertiefen möchte. Die innere Zerrissenheit ist gut nachvollziehbar beschrieben und die Lösung am Ende ist sehr gut konstruiert.

Ich habe dieses Buch sehr gerne gelesen und vor allen Dingen auch bis zum Ende, da ich die ganze Zeit darauf gewartet habe, dass die Handlungsebenen zusammengeführt werden. Das ist aus meiner Sicht nicht geschehen, daher hat sich bei mir ein Gefühl der Enttäuschung eingestellt. Daher habe ich mit drei Sterne bewertet. Handwerklich und sprachlich hat Alena Schröder wieder ein gut lesbares Buch vorgestellt. Für das inhaltliche Verständnis hätte es vermutlich geholfen, die Inhalte der anderen Bücher zu kennen.