Leise zwischenmenschliche Töne
Bereits die beiden Vorgängerbücher von Alena Schröder und um Hannah, ihre Mutter Silvia und deren pflichtbewusste Mutter Evelyn haben mich in ihren Bann gezogen. Immer habe ich ich mich gefragt, was aus dem Gemälde geworden ist, das in einer alten Schublade eines Forsthauses in der Nähe von Güstrow versteckt war und schließlich verloren gegangen ist. Alena Schröder schreibt die Geschichte um die Suche nach dem Bild „Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid“, das auch Titel ihres zweiten Romans ist, in „Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel“ fort. Ein Bild, das auch im 3. Teil eng mit den Protagonisten verbunden ist. In zwei Zeitebenen baut Alena Schröder den Roman auf. Sie begleitet Hannah in ihren Dreißigern in den Zwanziger-Jahren des 21. Jahrhunderts, die sich in einer Lebenskrise wiederfindet und plötzlich mit ihrem Zeit ihres Lebens abwesenden Vater konfrontiert wird, und entwirft gleichzeitig ein Bild von Marlen und Wilma in Güstrow nach dem 2. Weltkrieg und den darauffolgenden Jahren. Wilma ist eine Malerin, die sich dem Sozialistischen Realismus verpflichtet fühlt und lange brauchte, um der Gewalt ihres despotischen Mannes zu entkommen, der selbst ein bekannter Maler war, nach seiner Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft aber in Bedeutungslosigkeit versank. Sie übermalt seine Leinwände und erfindet sich neu. Aber auch Wilma ist nicht frei von Gewalt. Sie bindet das Flüchtlingsmädchen Marlen an sich, erschüttert das Selbstbewusstsein der künstlerisch begabten jungen Frau bis in die Grundfesten und degradiert sie zu ihrer Assistentin, die irgendwann die einzige ist, die Wilmas Bildversionen noch umsetzen kann, denn Wilma ist dabei, zu erblinden. Ein Geheimnis, das Wilma vor der Welt verbergen will.
Wieder sind es die leisen Töne, die Alena Schröder anschlägt, sie beleuchtet die Perspektiven der verschiedenen Figuren, schafft Verständnis, gibt Einblicke in das Innere der handelnden Personen, die alle auf ihre ganz eigene Art allein und zerrissen sind. Schnörkellos baut Alena Schröder die Handlung auf, in einfachen Worten und schafft es, eine persönliche Betroffenheit aufzubauen, animiert den Leser indirekt dazu, über den eigenen Horizont zu schauen und Verständnis für das Gegenüber zu entwickeln, egal, wie schroff oder verhärtet der andere wirken mag.
Wieder sind es die leisen Töne, die Alena Schröder anschlägt, sie beleuchtet die Perspektiven der verschiedenen Figuren, schafft Verständnis, gibt Einblicke in das Innere der handelnden Personen, die alle auf ihre ganz eigene Art allein und zerrissen sind. Schnörkellos baut Alena Schröder die Handlung auf, in einfachen Worten und schafft es, eine persönliche Betroffenheit aufzubauen, animiert den Leser indirekt dazu, über den eigenen Horizont zu schauen und Verständnis für das Gegenüber zu entwickeln, egal, wie schroff oder verhärtet der andere wirken mag.