Marlen und Hannah

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miro76 Avatar

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"Mein ganzes Leben ..." ist der Abschluss einer Trilogie, die sich mit Fragen nach der Herkunft, Identität und familiärem Erbe beschäftigt. Leider wusste ich das bei der Lektüre nicht und es ist mir auch erst am Ende aufgefallen, dass mir etwas fehlt.

Dieser Roman spielt sich auf zwei Zeitebenen ab. Wir lernen die 14-jährige Marlen in Güstrow kennen, die 1945 aus Demmin weggelaufen ist und sich in einem Forsthaus vor russischen Soldaten versteckt. Sie wird von Wilma, einer Künstlerin entdeckt und später adoptiert.

In der Gegenwart kämpft Hannah mit ganz anderen familiären Problemen. Eigentlich ist sie ziemlich alleine, denn ihre Mutter und Großmutter sind beide verstorben. Ihren Vater hatte sie nie kennengelernt, bis er plötzlich mit einem riesigen Blumenstrauß bei ihr auf der Fussmatte steht und eine Menge Fragen aufwirft.

Beide Frauen beschäftigen sich intensiv mit ihrer Vergangenheit, verarbeiten Verluste, setzen sich mit Schuld auseinander und versöhnen sich mit ihren Schicksalen. Beide Geschichten fand ich interessant und spannend zu lesen und bis zum Schluss war ich ausgesprochen neugierig, auf die Verbindung zwischen den beiden. Dass sie sich mit ähnlichen Themen befassen, schien mir nicht genug.

Daher war ich etwas enttäuscht am Ende. Die Verbindung erscheint mir etwas zu lose. Vielleicht hätte ich das nicht so empfunden, wenn ich die beiden Vorgänger gekannt hätte. Dann wären mit Hannahs Mutter und Großmutter vertrauter gewesen und die Verbindung nach Güstrow klarer. Man kann das Buch lesen, ohne die beiden anderen zu kennen, aber empfehlen möchte ich das nicht.

Dennoch hat mir das Buch gut gefallen und meine Neugierde für den Rest der Trilogie ist geweckt. Stilistisch konnte mich die Autorin überzeugen. Ich mag ihre schnörkellose Sprache, ihre feinsinnige Art, Alltägliches zu erzählen und ihre warmherzige Sorge um ihre Figuren.