Schicht für Schicht

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annnnnnna Avatar

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Der Roman führt uns nach Güstrow im Jahr 1945, an die innerdeutsche Grenze bei Berlin im Jahr 1989 und ins Berlin des Jahres 2023. Im Mittelpunkt stehen Marlen und Hannah, zwei Frauen, deren Leben Jahrzehnte trennen und die dennoch auf besondere Weise miteinander verbunden sind.

Nach und nach entfaltet sich eine vielschichtige Familiengeschichte voller Verlust, Loyalität, Geheimnisse und der Frage, was Familie eigentlich ausmacht.

Besonders berührt hat mich Marlens Geschichte. Auf der Flucht vor den Russen verliert Marlen beinahe alles und findet schließlich Zuflucht bei der Malerin Wilma und ihrer ehemaligen Haushälterin Burgel in einem abgelegenen Waldhaus. Die Schicksalsgemeinschaft schlägt sich durch die harten Zeiten. Aus Dankbarkeit wächst eine tiefe Loyalität, die Marlen ihr ganzes Leben prägt. Gleichzeitig wird deutlich, wie schmal der Grat zwischen Fürsorge und Vereinnahmung sein kann. Diese leisen Zwischentöne hat Alena Schröder unglaublich fein herausgearbeitet.

Parallel dazu begleiten wir Hannah in der Gegenwart. Sie lernt mit 34 Jahren ihren Vater und dessen Familie kennen und hinterfragt ihr bisheriges Leben. Nach und nach erkennt sie, dass Ankommen manchmal bedeutet, nicht länger suchen zu müssen.

Besonders beeindruckt hat mich, wie die Familiengeschichte Schicht für Schicht freigelegt wird. Wie bei einem Gemälde kommen mit jeder Seite neue Farben, Formen und Zusammenhänge hinzu, bis sich am Ende ein vollständiges Bild ergibt. Die beiden Zeitebenen greifen dabei wunderbar ineinander und machen die Geschichte zu etwas ganz Besonderem.

Alena Schröder erschafft kluge, starke und vielschichtige Frauenfiguren, die mich vom Anfang bis zum Ende begleitet haben. Ihr Schreibstil ist atmosphärisch, einfühlsam und voller leiser Töne. Trotz der ernsten Themen strahlt der Roman immer wieder Hoffnung aus und zeigt, dass Familie nicht nur durch Blutsverwandtschaft entsteht. Manchmal sind es gemeinsame Erfahrungen, Vertrauen und Zusammenhalt, die Menschen zu einer Familie werden lassen.

Ein klug erzählter Familienroman mit leisen Zwischentönen, der mich trotz kleinerer Längen bis zur letzten Seite gut begleitet hat.