Selbstbestimmung, Kunst und Authentizität

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Güstrow 1945: Marlen flieht vor den Russen und kommt bei der Malerin Wilma unter, dessen verschollener Mann ein aufstrebender Künstler war. Seine hinterbliebene Ehefrau versucht sich selbst als Künstlerin und im Laufe der Zeit wird sie immer erfolgreicher - auch dank der Hilfe von Marlen.

Berlin 2023: Hannah muss ihr Leben neu ordnen, nachdem ihre beste Freundin Rubi aus der gemeinsamen WG ausgezogen ist, um eine Familie zu gründen. Plötzlich taucht ihr nie dagewesener Vater auf und bürdet ihr eine Rolle auf, die sie nie haben wollte.

Das Hörbuch von "Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel" ist eine feinfühlige Erzählung über die starken Bande der Familie, die weder biologisch noch anwesend sein müssen. Sehr einfühlsam und passend wird das Buch eingesprochen von Julia Nachtmann, deren Stimme und Intonation perfekt zu der Geschichte passt.

Bis zum Schluss rätselt man über die konkrete Verbindung der zwei Geschichten, die am Ende sanft zueinander geführt werden. Im Mittelpunkt stehen Frauen, die trotz aller Widerstände ihren eigenen Weg gehen. Männliche Figuren sind zwar präsent, spielen aber eine untergeordnete, wenn auch nicht unwichtige Rolle. Ihr Scheitern beflügelt die weiblichen Protagonistinnen, nicht aus einer bösartigen, sondern aus einer selbstbestimmten Rolle heraus. Essentieller scheint die Kunst, die den roten Faden durch die Geschichte legt.

Ich kannte bislang noch keine Bücher von Alena Schröder, habe aber ihre ruhige, authentische und nachvollziehbare Erzählweise sehr zu schätzen gelernt. Die Geschichten bestechen durch Realismus, der Auseinandersetzung mit inneren Konflikten und der wunderbaren Affinität zur Kunst. Ich kann dieses Hörbuch uneingeschränkt allen empfehlen, die Interesse für Zeitgeschichte, Kunst und der hervorragenden Beobachtungsgabe für menschliche Verhaltensweisen schätzen.