Spannend gestricktes Drama darüber, was Familie eigentlich bedeutet

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nessabo Avatar

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Es war mein erstes Buch von Alena Schröder und auch, wenn es sich um den letzten Teil einer Trilogie handelt, lässt es sich problemlos ohne Vorwissen lesen. Die Figuren lassen sich aber bestimmt noch tiefer verstehen, wenn die beiden Vorgänger schon gelesen wurden.

Ich wurde von Anfang an stark in die Atmosphäre der Geschichte eingesaugt. Alena Schröder schreibt locker, gut verständlich und teils messerscharf.

Die wechselnden Zeitebenen waren on point gesetzt und haben für ein tolles Pacing mit angenehmen Spannungsmomenten gesorgt. Die Geschichtsfetzen sind gut miteinander verwoben, am Ende geht alles auf, gewisse Leerstellen bleiben aber auch stehen. Was total Sinn macht, weil sich diese Leerstellen auch für die Protagonistin Hannah nicht füllen lassen, da sie keine lebenden Vorfahrinnen mehr hat.

Ich mochte besonders die Elemente darum, was Familie eigentlich bedeutet. Hannah hatte als Figur eine glaubwürdige und empowernde Entwicklung. Auch die besondere Beziehung zwischen Marlen und Wilma im Güstrow der Vergangenheit hat mich mit ihrer Komplexität für sich eingenommen.

Die Autorin wird immer wieder explizit politisch, insbesondere in Bezug auf Antirassismus, Feminismus und ansatzweise auch gegen das DDR-Regime. Ich mochte die teils bissigen Sätze sehr gern. Außerdem geht es generell viel um weibliche Solidarität, die sowieso einen besonderen Platz in meinem Herzen hat.

Männer bekommen erfrischend wenig Raum. Besonders die problematischen Charaktere erfahren auch Konsequenzen und das ist so selbstverständlich wie literarisch selten. Wer sich für verschiedene Zeitebenen und starke Frauenfiguren sowie das Thema Wahlfamilie begeistern kann, kann unbesorgt zu diesem Werk greifen.