Stark erzählt, ernüchternd verbunden

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vo.nicole Avatar

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Alena Schröder erzählt in „Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel“ von Hannah und Marlen, zwei starken Frauen und ihrem Leben. Die Geschichte spielt dabei auf zwei Zeitebenen: Hannah lebt in Berlin im Jahr 2023 und plötzlich taucht ihr Vater wieder auf. Gleichzeitig wird von Marlen erzählt, die 1945 in Güstrow bei der Malerin Wilma unterkommt. Die Geschichte wird verbunden durch ein Kunstwerk auf Leinwand. Bei „Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel“ handelt es sich um den dritten Teil der Familientrilogie rund um Hannah und Evelyn Borowski, den man aber auch ganz ohne Vorwissen gut folgen kann.

Vorneweg: Der Schreibstil, die abwechselnden Perspektiven, die unterschiedlichen Charaktere und der durchweg hohe Spannungsbogen haben mir sehr gut gefallen. Ich hatte das Buch in kürzester Zeit durch und bin begeistert von Schröders Fähigkeit eine rundum spannende Geschichte zu entspinnen. Eher im Hintergrund ist in diesem Roman der geschichtliche Kontext – man erfährt nur am Rande vom Massensuizid in Demmin und der Besatzung durch Russland. Für mich ist es aber dennoch gelungen und passend zum Buch.

(Hinweis: Spoilerwarnung) Was mich leider etwas ernüchtert hat war das Ende und die Auflösung des Zusammenhangs von Hannah und Marlen: Hier hatte ich mir tatsächlich eine engere Verbindung gewünscht – an sich sind es für mich nun jeweils zwei in sich gute Geschichten, deren Verbindung im abschließenden Epilog hingegen konstruiert und etwas zufällig wirkt. Auch die Frage rund um die Bedeutung des Kunstwerks für Hannah, das sie ja bereits vorher aufwendig gesucht hat, bleibt für mich etwas offen.

Alles in allem ein Buch, dass sich bis zum Ende sehr spannend liest – und mich dann allerdings in der Auflösung doch eher enttäuscht hat.