Wie das Leben so spielt und was wir daraus machen…

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leseschneckchen555 Avatar

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Über das Finden und Verlieren von Familie, über die Erwartungen, die wir an das Leben stellen und über die Fehler und Zwänge, denen man sich stellen muss.


Gelesen hatte ich von der Autorin bisher noch nichts, aber ihre Romane haben aufgrund des Covers schon einen Wiedererkennungswert. Besonders der interessante Titel des Buches war es, der mich aufmerksam gemacht hat. Wer möchte hier nicht erfahren, was die Autorin uns damit sagen will? Zwar hatte ich ein wenig die Befürchtung, dass mir der Schreibstil nicht zusagen könnte. Vielleicht schreibt sie zu sonderbar? Aber diese Sorge war absolut umsonst, denn ich fühlte mich sehr schnell in der Geschichte wohl. Besonders gefällt mir, dass die Geschichte in mehreren Zeitebenen geschrieben wurde und wir Leser nur langsam dem Sinn der Handlung näherkommen.
In dieser Geschichte werden die Leben vieler Personen widergespiegelt. Die Fehler, die man macht, die unerfüllten Träume, die man hatte, die Zwänge, denen man sich hingibt und die Verantwortung, die man seinem Gegenüber hat oder auch die Erwartungen, die man an andere stellt. Es geht um die Familie, wie wir sie finden und verlieren und was sie bedeutet, wenn nicht alles nach dem Bilderbuchschema verläuft. Wer sich für Lebensgeschichten interessiert, der wird sich mit diesem Buch sehr wohlfühlen. Das besondere Augenmerk der Erzählung liegt auf Marlen aus der Vergangenheit und auf Hannah aus der Gegenwart. In welcher Verbindung diese beiden Frauen zueinanderstehen, das versucht man im gesamten Verlauf der Geschichte herauszufinden. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Kunst und ein besonderes Portrait.
Die Vergangenheit spielt sich in der Zeit um 1945 ab und zieht sich bis in die Sechzigerjahre. Marlen verliert in den Kriegsjahren, mit gerade mal Vierzehn, Mutter und Bruder durch einen tragischen Vorfall und wird von einer Künstlerin aufgenommen, die sie schließlich auch adoptiert.
Die Gegenwart spielt sich im Jahre 2023 ab. Hier geht es vorrangig um Hannah, die sowohl Mutter als auch Großmutter verloren hat. Mittlerweile ist sie Anfang Dreißig und eine erwachsene Frau, die versucht ihren Weg zu gehen. Die beste Freundin wird schwanger und zieht aus der gemeinsamen Wohnung aus. Hannah ist allein. Doch plötzlich zeigt der Vater Interesse an ihr, nachdem er sich über all die Jahre hinweg nie für sein Kind interessiert hat.
Das Buch lässt sich langsam lesen und ich konnte gut dabei entspannen. Es passiert nicht wesentlich viel, was Spannung erzeugen könnte und doch fieberte ich dem Fortgang entgegen und wollte dem Zusammenhang der beiden Frauen näherkommen. Denn aus dem Prolog konnte ich entnehmen, dass da noch etwas kommen muss, was diese beiden Frauen in Verbindung bringt. Da die Zeiten immer wechseln und die Kapitel oft mit einer Frage endeten, konnte ich es kaum erwarten, wieder in der jeweiligen Zeit zu landen. Das weckte in mir die gesamte Buchlänge über den Wunsch, weiterlesen zu wollen. Zum Ende hin fand ich es sogar richtig spannend und ich war erleichtert, dass sich einige Dinge noch zum Guten wendeten.
Für mich war es das erste Buch der Autorin. Im Nachhinein habe ich erfahren, dass sich die beiden Vorgängerbücher auch um die Personen drehen, die ich in diesem Buch kennenlernen durfte. Es wäre also interessant noch etwas weiter zurück in die Vergangenheit zu blicken.