Nichts was ich zuvor so schon mal gelesen hätte!

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naddulein Avatar

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Das Cover wirkt insgesamt sehr düster mit seinen dunklen Farben, den Totenköpfen und der schattenhaftigen Frau. Alles sehr auf das Genre Dark Fantasy ausgerichtet und zu 100 Prozent passend. Es gefällt mir wirklich gut.

Kurz zum Inhalt: Die 21-Jährige Roos hatte eine grausame Kindheit. Ihre Mutter hat sie misshandelt zwang sie regelmäßig für ihren Lebensunterhalt eine Show als Medium in Seancen aufzuführen und so den Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen. Alles nur weil sie tatsächlich seit Kindestagen von ihrem persönlichen Schutzgeist Ruth begleitet wird, die sie über alles liebt. Eines Tages taucht die Witwe Agnes Koop auf, kauft Roos ihrer Mutter ab und bietet ihr ein neues Leben an. Doch noch bevor sie das Anwesen erreichen, gesteht Agnes, dass sie Roos ähnlicher ist, als diese vermutet und sie Roos nicht nur aus Gutherzigkeit zu sich geholt hat. Roos ist so voller Dankbarkeit Agnes gegenüber, dass sie eines Nachts einen schwerwiegenden Fehler begeht und alle Anwohner in Lebensgefahr bringt.

Die Storyline mit der Aufklärung von Agnes Mord, Roos Befreiung und der Start in ein vorerst besseres Leben, gepaart mit den Schutzgeistern hat mir gut gefallen und ich war die ganze Zeit sehr neugierig, wie Agnes tatsächlich umgekommen ist.

Wenn mich jemand nach dem Genre fragen sollte, wüsste ich keine klare Antwort. Für mich ist es ein düsterer Kriminalfall mit Geisterelementen, aber weder ein ganzer Krimi, noch Horror oder wirklich Fantasy. Es ist nichts was ich schon mal so gelesen hätte.

Mein größter Kritikpunkt ist die Liebesbeziehung zwischen Roos und Agnes, die ich leider nicht gespürt habe. Sie kam mir lediglich wie eine Abhängigkeit vor, in der Roos Liebe mit Dankbarkeit verwechselt. Roos hat vor Agnes nur Grausamkeit von Menschen erfahren und stürzt sich geradezu auf Agnes Fürsorglichkeit auf eine schon beinahe kranke Weise und viel zu schnell.

Der Aufbau des Buches gefällt mir richtig gut. Man begleitet Roos durch ihre Vergangenheit anhand ihrer Erzählungen in einer Art Therapiesitzung. Dort soll der Arzt beurteilen, ob Roos tatsächlich verrückt ist und somit nicht für den Mord verurteilt werden kann oder ob sie alles erlogen hat.
Der Hauptteil ist aus der Ich-Perspektive von Roos geschrieben, der ab und zu von den Sitzungsprotokollen unterbrochen wird, wobei beide Teile aufeinander aufbauen und den Lesefluss unterstützen.
Es gibt in der Geschichte selber Referenzen zu dem Buch „Die Drehung der Schraube“ von Henry James, indem ebenfalls Geister einen Mord begangen haben sollen. Am Ende bleibt offen, ob es tatsächlich so war, oder ob alles einer Geisteskrankheit entsprungen ist. Genauso wie in dem Roman von Henry James, lässt Johanna van Veen auch in ihrem Buch jeden Leser selber für sich entscheiden was seine Wahrheit ist.