Ein literarisch anspruchsvoller, körperlicher Roman

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mrs.beee Avatar

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Im Mittelpunkt des Romans „Melken“ von Samuelsson steht eine junge Frau (Ellen), die nach einer persönlichen Erschütterung auf den Bauernhof ihrer Kindheit zurückkehrt. Dort wird sie nicht nur mit Erinnerungen konfrontiert, sondern auch mit der unmittelbaren, rohen Körperlichkeit des Landlebens.
Samuelsson arbeitet hier stark mit sinnlichen und teils drastischen Bildern. Körperlichkeit wird nicht beschönigt, sondern roh und direkt gezeigt: Schmutz, Gerüche, körperliche Reaktionen gehören selbstverständlich zur Erzählung. So spritzt der Protagonistin beispielsweise Kuhmist in den Mund. In einer anderen Szene erbricht sich Ellen. Diese Momente wirken aber nicht effekthascherisch, sondern unterstreichen die enge Verbindung zwischen Mensch, Tier und Natur sowie das Ausgeliefertsein an körperliche Prozesse.

Mir gefällt, dass der Roman sprachlich dicht und sinnlich aufgeladen ist. Samuellson arbeitet auffällig mit vielen Adjektiven sowie starken Personifikationen. Die Sprache ist bildreich, weich und zugleich schonungslos. Landschaften sind nicht einfach nur da. Sie flirren, drücken, atmen. Die Hitze klebt schwer auf der Haut, der Stallgeruch kriecht in jede Pore, die Felder scheinen zu lauschen. Natur wirkt beinahe lebendig und beobachtend.
Die vielen Adjektive verdichten die Wahrnehmung, machen Gerüche beißend, Farben stumpf oder glühend, Berührungen klebrig oder brennend. Gleichzeitig werden Dinge vermenschlicht: Der Stall scheint zu stöhnen, die Erde wirkt hungrig, die Luft drückt wie eine unsichtbare Hand. Die Natur wirkt geradezu lebendig und beobachtend. Dadurch entsteht eine intensive Atmosphäre.

Ich erwarte eine literarisch anspruchsvolle, stark körperliche Lektüre. Eine Geschichte, die Identität, Herkunft und Zugehörigkeit nicht nur gedanklich, sondern spürbar, schmutzig und lebendig erfahrbar macht.