Erinnerungen an Diana

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Sommer in Schweden: Nachdem sich ihre Freundin Diana von ihr getrennt hat, fährt Ellen mit dem Auto von der Stadt aufs Land. Auf den Bauernhof, auf dem sie aufgewachsen ist und der jetzt nicht mehr im Besitz ihrer Familie ist. Das Haus wirkt momentan leer und Ellen gelingt es, sich Zutritt zu verschaffen. Erinnerungen werden wach: an ihre Kindheit, das Aufwachsen auf dem Land. Aber es tauchen auch immer wieder Szenen aus der Zeit mit ihrer Ex-Freundin vor ihrem geistigen Auge auf. Und dann ist da noch Max, ein Freund aus Kindertagen, der den Ort nie verlassen hat…

„Melken“ ist der Debütroman von Sanna Samuelsson.

Erzählt wird die Geschichte in 14 Kapiteln, eingeleitet mit einem Prolog. Dabei wird die Ich-Perspektive aus der Sicht von Ellen gewählt. Die Handlung besteht aus nur wenigen Tagen und entfaltet sich chronologisch. Allerdings gibt es immer wieder Rückblenden in die jüngere und die weiter entfernte Vergangenheit.

Der Sound des Romans ist modern und erfrischend. Er hat eine ganz eigene Note. Der Text ist atmosphärisch und voller Bilder, die Sprache dabei teilweise etwas spröde, aber nicht zu salopp oder vulgär.

Auf nur wenig mehr als 150 Seiten behandelt der Roman vor allem die Kindheit und Jugend auf dem Land. Sowohl die Themen Heimat und Herkunft als auch die Veränderungen in der Landwirtschaft im Laufe der Zeit spielen eine große Rolle. Es geht um existenzielle Fragen wie: Was macht uns aus? Was prägt uns? Eine queere Liebes- beziehungsweise Trennungsgeschichte ist der Roman also nur in zweiter Linie.

Die Protagonistin ist eine eigenwillige, interessante Figur, die in sich schlüssig und frei von Stereotypen gezeichnet ist. Ihre Verhaltensweisen erscheinen nicht immer komplett nachvollziehbar, sodass es nicht einfach ist, Anknüpfungspunkte zu finden.

Das deutsche Cover passt sehr gut zur Geschichte. Das gilt auch für den Titel, der nahe am schwedischen Original bleibt.

Mein Fazit:
Mit „Melken“ ist Sanna Samuelsson ein einzigartiges Debüt gelungen, das vor allem mit seiner Sprache und seinen Themen überzeugt. Ein empfehlenswerter Roman.