Heimweh nach der Kindheit

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elli-spirelli Avatar

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Verlassen von der Liebsten und was nun? Ellen fährt nach Hause, findet den Schlüssel im gewohnten Versteck, riecht den vertrauten Geruch und legt sich erstmal in ihr altes Zimmer ins Bett.
Allerdings: Der Hof gehört schon lange nicht mehr ihren Eltern und neue Bewohner haben sich einquartiert, sich ein Zuhause geschaffen, das nicht mehr das ihre ist.
Auf der Suche nach Heimat und Zugehörigkeit findet Ellen in Gedanken wieder in ihr altes Leben zurück, besonders die Erinnerungen an die Kühe, die längst verkauft sind, die beruhigende Wärme der Tiere, ihr Muhen, ihr Geruch können ihr Ruhe schenken. Und auch der Hof, die alten Dielen, die Aussicht, der kleine Steg lassen sie den Schmerz etwas vergessen. Dann trifft sie auch noch auf ihren alten Freund und Schulkameraden Max, der immer in der alten Heimat geblieben ist und ein völlig anderes Leben führt. Wie kann er ihre Gefühle und ihre Entwicklung verstehen? Gedanken an früher, an die Schönheit des Ortes, die Selbstverständlichkeit des Aufwachsens, das Miteinander mit den Tieren, aber auch die negativen Aspekte, die Probleme in der Schule mit den Mitschülern, die Suche nach Anerkennung, die Ängste vor der Bloßstellung werden deutlich und das Bewusstsein, anders als zu sein, das Kind vom Bauernhof versus die Städter, durchzieht die Geschichte.
Ein interessanter Roman, der uns Ellen nahe bringt, wir erfahren von ihrer Verletzlichkeit, ihren Bedürfnissen und Wünschen. Besonders poetisch und intensiv wird die Sprache immer dann, wenn es um die detaillierte und ungewöhnliche Beschreibung der großen Tiere geht, um ihre Masse, ihre Gemütsverfassung, ihre Wärme, aber auch ihr Leid, wenn eine Kuh z.B. plötzlich ihr Kälbchen verliert.
Ein ungewöhnliches Debüt der jungen schwedischen Autorin Sanna Samuelsson, die sich in ihrem Roman mit Heimat, Zugehörigkeit und Selbstentdeckung einer jungen Frau beschäftigt.