Kindheit auf dem Bauernhof
In Sanna Samuelssons Debütroman „Melken“ fährt die Protagonistin Ellen, nachdem sich ihre Freundin Diana von ihr getrennt hat, kurzentschlossen zurück ins Dorf, auf den Bauernhof, auf dem sie aufgewachsen ist.
„Ich blinzelte, wollte die Gefühle verscheuchen, meine Sehnsucht, mein Zaudern, weil ich jetzt an einen bestimmten Punkt gelangt war. In der Stadt zu leben, wirklich weggezogen zu sein. Aber wo befand ich mich hier, was bedeutete dieser Ort, was wollte er von mir, und was wollte ich von ihm?“
In Rückblenden erinnert sie sich an ihr Leben als Bauernkind, an den Alltag auf einem Bauernhof.
„Wer am härtesten schuftet, stirbt zuerst. Belohnung gibt es nicht. Die ist nur ein Mythos.“
Auch die Gefühle von Ellen als kind waren schmerzhaft gut dargestellt:
„Ein Bauernkind sein, das nach Kuhscheiße stinkt. Die Vorortkinder schwebten sauber durch ihre blitzblanken Häuser, ohne die weißen Sofapolster zu ruinieren. Ihre Mütter dufteten himmlisch, und die Hunde gingen an der Leine. Die Kinder kommentierten alles und verborgen nichts. Als sie älter wurden, verstanden sie, dass es unhöflich war, und hörten auf. Aber wir fragten uns weiter: Stinke ich?“
Die heutigen Besitzer des Hofes sind verreist, ihr ehemaliger Kindheitsfreund Max hütet das Haus und entdeckt Ellen. Kurz bevor die Besitzer wieder zurückkommen, muss Ellen wieder abreisen.
Ich bin bei diesem Buch hin- und hergerissen.
Der Schreibstil an sich gefällt mir weitgehend gut, es gibt schöne Textpassagen. Auch das harte Leben der Landwirte wird authentisch dargestellt.
„Ein Entlastungsdienst wurde eingerichtet, über den Bauern für einen oder mehrere Tage eine Vertretung anheuern konnten. Den Bauern sollte derselbe Lebensstandard gewährt werden wie Industriearbeitern, sie sollten in den Urlaub fahren dürfen, sich wie Menschen fühlen. Nur bezahlten sie doppelt für die Auszeit, finanziell, seelisch. Die Uhr tickte weiter, und jeder Tag kostete sie teures Geld. Ruhe erwies sich als Ding der Unmöglichkeit. Vielleicht sollte der Bauer ja doch kein Mensch sein. Ein paar Jahrzehnte später wurde der Entlastungsdienst wieder abgeschafft.“
Insgesamt konnte mich das Buch jedoch leider nicht überzeugen.
In Ellens vergangenes Ich, ihre Erinnerungen an das Aufwachsen auf dem Land, konnte ich mich noch gut hineinfühlen. Zu Ellen in der Gegenwart konnte ich jedoch keinen Bezug herstellen; ihre Figur blieb sehr disanziert und unnahbar.
Für mich ist „Melken“ final leider kein Buch, das einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen wird.
Vielen Dank an den Hanser Verlag & Vorablesen.de für das Rezensionsexemplar! 📚💚
„Ich blinzelte, wollte die Gefühle verscheuchen, meine Sehnsucht, mein Zaudern, weil ich jetzt an einen bestimmten Punkt gelangt war. In der Stadt zu leben, wirklich weggezogen zu sein. Aber wo befand ich mich hier, was bedeutete dieser Ort, was wollte er von mir, und was wollte ich von ihm?“
In Rückblenden erinnert sie sich an ihr Leben als Bauernkind, an den Alltag auf einem Bauernhof.
„Wer am härtesten schuftet, stirbt zuerst. Belohnung gibt es nicht. Die ist nur ein Mythos.“
Auch die Gefühle von Ellen als kind waren schmerzhaft gut dargestellt:
„Ein Bauernkind sein, das nach Kuhscheiße stinkt. Die Vorortkinder schwebten sauber durch ihre blitzblanken Häuser, ohne die weißen Sofapolster zu ruinieren. Ihre Mütter dufteten himmlisch, und die Hunde gingen an der Leine. Die Kinder kommentierten alles und verborgen nichts. Als sie älter wurden, verstanden sie, dass es unhöflich war, und hörten auf. Aber wir fragten uns weiter: Stinke ich?“
Die heutigen Besitzer des Hofes sind verreist, ihr ehemaliger Kindheitsfreund Max hütet das Haus und entdeckt Ellen. Kurz bevor die Besitzer wieder zurückkommen, muss Ellen wieder abreisen.
Ich bin bei diesem Buch hin- und hergerissen.
Der Schreibstil an sich gefällt mir weitgehend gut, es gibt schöne Textpassagen. Auch das harte Leben der Landwirte wird authentisch dargestellt.
„Ein Entlastungsdienst wurde eingerichtet, über den Bauern für einen oder mehrere Tage eine Vertretung anheuern konnten. Den Bauern sollte derselbe Lebensstandard gewährt werden wie Industriearbeitern, sie sollten in den Urlaub fahren dürfen, sich wie Menschen fühlen. Nur bezahlten sie doppelt für die Auszeit, finanziell, seelisch. Die Uhr tickte weiter, und jeder Tag kostete sie teures Geld. Ruhe erwies sich als Ding der Unmöglichkeit. Vielleicht sollte der Bauer ja doch kein Mensch sein. Ein paar Jahrzehnte später wurde der Entlastungsdienst wieder abgeschafft.“
Insgesamt konnte mich das Buch jedoch leider nicht überzeugen.
In Ellens vergangenes Ich, ihre Erinnerungen an das Aufwachsen auf dem Land, konnte ich mich noch gut hineinfühlen. Zu Ellen in der Gegenwart konnte ich jedoch keinen Bezug herstellen; ihre Figur blieb sehr disanziert und unnahbar.
Für mich ist „Melken“ final leider kein Buch, das einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen wird.
Vielen Dank an den Hanser Verlag & Vorablesen.de für das Rezensionsexemplar! 📚💚