Kuhwerdung
Nach einer schmerzhaften Trennung, setzt sich Ellen ins Auto und verlässt die Stadt. Sie fährt zu dem Bauernhof, auf dem sie geboren und aufgewachsen ist, und der heute längst von einer anderen Familie bewohnt wird. Die Familie ist verreist. So wird die Protagonistin zu irgendetwas zwischen ungebetenem Gast und Einbrecherin. Sie verbringt heimlich mehrere Tage in einem Leben, das früher einmal ihr eigenes war. Erinnerungen drängen an die Oberfläche. Ellen trifft auf ihren Kindheitsfreund Max und setzt sich mit Vergangenheit und Gegenwart auseinander.
"Melken" ist ein sehr schmaler, dichter, überraschend politischer Roman, der das hyperrealistische Portrait eines milchwirtschaftlichen Betriebs zeichnet. Schon in der Vergangenheit wirkt der Hof wie aus der Zeit gefallen. Und die Zeit ist es auch, die abläuft. Schnell wird klargestellt, diese Form zu leben, ist nicht rentabel.
Die Autorin legt in ihrem Buch einen großen Fokus auf die literarische Aufarbeitung von Missständen in der Landwirtschaft und insbesondere im Bezug auf die Nutztierhaltung von Kühen. Dass das Buch in Schweden spielt, merkt man dabei kaum. Man kann sich das 1 zu 1 in einem deutschen Kontext vorstellen. Thematisch ist der Text ganz weit weg von irgendwelchen Bullerbü-Fantasien. Die Autorin romantisiert nicht, poetisiert aber die hässlichen Seiten des Landlebens. Sie richtet das Scheinwerferlicht auf Blattläuse und Kuhfladen. Sie drückt eklige Dinge so aus, dass es halbwegs schön klingt. Sie lässt ihre Protagonistin ganz nah heranrücken an die Existenz einer Kuh, lässt sie stellenweise trotz der Schamhaftigkeit, die eben diese hässlichen, dreckigen Seiten der Landwirtschaft mit sich bringen, beinahe Eins werden mit der Kuh und der verknüpften Erinnerung an eine scheinbar unbeschwerte Kindheit.
Auf Handlungsebene spielt sich recht wenig ab: Ellen geht zum See, schläft im Kinderbett, klaut Babygläschen aus dem fremden Kühlschrank. Es wird viel verhandelt, ohne dass wirklich etwas passiert. So bleibt am Ende auch recht wenig übrig. Ich habe das Buch gerne gelesen, auch wenn mir irgendeine Art von Resolution fehlt.
"Melken" ist oberflächlich ein Bericht über wenige Tage in der Schwebe. Darüber was folgt, wenn es zu einem großen Bruch im Leben kommt. Und im weiteren Sinne ist das Buch eine Auseinandersetzung mit der Realität eines ganzen Wirtschaftszweigs, der vollständig auf Profit ausgerichtet ist, und für einige wenige Existenz und Heimat bedeutet.
"Melken" ist ein sehr schmaler, dichter, überraschend politischer Roman, der das hyperrealistische Portrait eines milchwirtschaftlichen Betriebs zeichnet. Schon in der Vergangenheit wirkt der Hof wie aus der Zeit gefallen. Und die Zeit ist es auch, die abläuft. Schnell wird klargestellt, diese Form zu leben, ist nicht rentabel.
Die Autorin legt in ihrem Buch einen großen Fokus auf die literarische Aufarbeitung von Missständen in der Landwirtschaft und insbesondere im Bezug auf die Nutztierhaltung von Kühen. Dass das Buch in Schweden spielt, merkt man dabei kaum. Man kann sich das 1 zu 1 in einem deutschen Kontext vorstellen. Thematisch ist der Text ganz weit weg von irgendwelchen Bullerbü-Fantasien. Die Autorin romantisiert nicht, poetisiert aber die hässlichen Seiten des Landlebens. Sie richtet das Scheinwerferlicht auf Blattläuse und Kuhfladen. Sie drückt eklige Dinge so aus, dass es halbwegs schön klingt. Sie lässt ihre Protagonistin ganz nah heranrücken an die Existenz einer Kuh, lässt sie stellenweise trotz der Schamhaftigkeit, die eben diese hässlichen, dreckigen Seiten der Landwirtschaft mit sich bringen, beinahe Eins werden mit der Kuh und der verknüpften Erinnerung an eine scheinbar unbeschwerte Kindheit.
Auf Handlungsebene spielt sich recht wenig ab: Ellen geht zum See, schläft im Kinderbett, klaut Babygläschen aus dem fremden Kühlschrank. Es wird viel verhandelt, ohne dass wirklich etwas passiert. So bleibt am Ende auch recht wenig übrig. Ich habe das Buch gerne gelesen, auch wenn mir irgendeine Art von Resolution fehlt.
"Melken" ist oberflächlich ein Bericht über wenige Tage in der Schwebe. Darüber was folgt, wenn es zu einem großen Bruch im Leben kommt. Und im weiteren Sinne ist das Buch eine Auseinandersetzung mit der Realität eines ganzen Wirtschaftszweigs, der vollständig auf Profit ausgerichtet ist, und für einige wenige Existenz und Heimat bedeutet.