"Obwohl ich alle Wörter kannte, blieb die Härte."
Ellen trennt sich von Diana. Daraufhin versucht Diana Zuflicht und Halt in ihrem alten Familienhaus zu finden – doch was passiert, wenn es Diana zurück in einen Strudel der heteronormativen Welt am Land zieht, in der sie aufgewachsen ist. Kann sie sich selbst festpflanzen? Wird dann alles einfacher? Und wo genau, was genau, ist dieses Zuhause, in dem sie Halt zu finden versucht?
In Sanna Samuelssons Debütroman „Melken”, der von Stefan Pluschkat aus dem Schwedischen für den Hanser Verlag ins Deutsche übersetzt wurde, geht es genau um diese Fragen. Poetisch wie klar schafft die Autorin Bilder und Kulissen der Landschaft, schreibt schlicht und schafft genau mit diesem ihrem eigenen Ton eine solche Schicht an Erzähltem. Auf knapp 150 Seiten wirft dieser Roman Fragen und Überlegungen auf, die weit darüber hinausgehen und lange in Erinnerung bleiben.
„Niemand wusste etwas, niemand konnte etwas wissen, alles war bedeutungslos, eigentlich.“
Bereits das Cover lädt ein, genauer hinzusehen. Es zeigt einen Ausschnitt einer Person, doch nicht sie selbst, wird von blinden Flecken bedeckt, hinter die es nicht zu schauen gilt. Wie der Titel schon vermerkt, arbeitet Samuelsson in ihrem Buch um die Sphären von Landwirtschaft, den Begrifflichkeiten von „Nutz“tieren und Kühen, zieht mit diesen Parallelen zum Kapitalismus und Heteronormativität. Diana fährt also zurück zu ihrem Familienhaus, in dem sie geboren wurde, aufwuchs. Ein Haus mit Hof, ein Familienbetrieb mit Landwirtschaft, mit Milchproduktion war hier einst Vorort. Nun aber sind ihre Eltern längst woanders, ein neues Paar lebt darin, ist auf Urlaub und Diana findet den Ersatzschlüssel genau an der gleichen Stelle wie schon damals. Sie nistet sich ein in einem Heim, dass fremder nicht sein kann und doch hofft sie, nun ja, was eigentlich? Sie musste raus aus der Stadt, weg von Ellen und folgte ihrem Drang, ihrem Gefühl. Angekommen muss sie sich nun mit sich selbst und dem Zuhause, welches dieser Ort einst war, auseinandersetzten.
„Nach einigen Stunden gab die Kuh auf. Das tun sie immer. Sie trotten zurück zu den andern, verschwand in der Herde. Kühe sind grausam, weil sie vergessen. Vielleicht verstummen sie auch nur.“
Samuelsson beschäftigt sich mit der Norm der Heterosexualität, ihren Platz als Frau, wie dieses ihr Aufwachsen prägte und der Ton von damals noch immer Laut zu hören ist. Der Klang, Scham. Als der Nachbarsjunge von früher, Max, bei ihr Auftaucht, scheint vieles in Diana ins Wanken zu kommen. Auch schreibt sie über das Arbeiten auf einer Landwirtschaft, was dieses Menschen alles abverlangt und kaum etwas davon überbleibt, außer Müdigkeit, Finanznot und die ständige, allumfassende Care-Arbeit, die diese mit sich bringt. Mit Bedacht und Sanftheit wird sich um Tiere gekümmert, hier dürfen Emotionen gezeigt werden, hier ist Intimität erlaubt.
„Wo damals Leben pulsiert hatte, war jetzt alles still. Eines Tages wird hier ein Wald sein. Aus dem Unkraut wird Buschwerk wachsen, dann Bäume, die Bäume werden einen Wald bilden, der sich über den gesamten Kontinent ausbreitet.“
Ein umwerfendes Debüt, dass über Grenzen hinausgeht und Sprache einen neuen Raum bietet. Ich kann „Melken“ nur empfehlen; besonders, wenn nach poetischer, literarischer Fiktion gefragt wird und auch queeren (und vegan lebenden) Menschen, die abseits der Stadt aufgewachsen sind, kann dieses Werk sicher viel geben.
In Sanna Samuelssons Debütroman „Melken”, der von Stefan Pluschkat aus dem Schwedischen für den Hanser Verlag ins Deutsche übersetzt wurde, geht es genau um diese Fragen. Poetisch wie klar schafft die Autorin Bilder und Kulissen der Landschaft, schreibt schlicht und schafft genau mit diesem ihrem eigenen Ton eine solche Schicht an Erzähltem. Auf knapp 150 Seiten wirft dieser Roman Fragen und Überlegungen auf, die weit darüber hinausgehen und lange in Erinnerung bleiben.
„Niemand wusste etwas, niemand konnte etwas wissen, alles war bedeutungslos, eigentlich.“
Bereits das Cover lädt ein, genauer hinzusehen. Es zeigt einen Ausschnitt einer Person, doch nicht sie selbst, wird von blinden Flecken bedeckt, hinter die es nicht zu schauen gilt. Wie der Titel schon vermerkt, arbeitet Samuelsson in ihrem Buch um die Sphären von Landwirtschaft, den Begrifflichkeiten von „Nutz“tieren und Kühen, zieht mit diesen Parallelen zum Kapitalismus und Heteronormativität. Diana fährt also zurück zu ihrem Familienhaus, in dem sie geboren wurde, aufwuchs. Ein Haus mit Hof, ein Familienbetrieb mit Landwirtschaft, mit Milchproduktion war hier einst Vorort. Nun aber sind ihre Eltern längst woanders, ein neues Paar lebt darin, ist auf Urlaub und Diana findet den Ersatzschlüssel genau an der gleichen Stelle wie schon damals. Sie nistet sich ein in einem Heim, dass fremder nicht sein kann und doch hofft sie, nun ja, was eigentlich? Sie musste raus aus der Stadt, weg von Ellen und folgte ihrem Drang, ihrem Gefühl. Angekommen muss sie sich nun mit sich selbst und dem Zuhause, welches dieser Ort einst war, auseinandersetzten.
„Nach einigen Stunden gab die Kuh auf. Das tun sie immer. Sie trotten zurück zu den andern, verschwand in der Herde. Kühe sind grausam, weil sie vergessen. Vielleicht verstummen sie auch nur.“
Samuelsson beschäftigt sich mit der Norm der Heterosexualität, ihren Platz als Frau, wie dieses ihr Aufwachsen prägte und der Ton von damals noch immer Laut zu hören ist. Der Klang, Scham. Als der Nachbarsjunge von früher, Max, bei ihr Auftaucht, scheint vieles in Diana ins Wanken zu kommen. Auch schreibt sie über das Arbeiten auf einer Landwirtschaft, was dieses Menschen alles abverlangt und kaum etwas davon überbleibt, außer Müdigkeit, Finanznot und die ständige, allumfassende Care-Arbeit, die diese mit sich bringt. Mit Bedacht und Sanftheit wird sich um Tiere gekümmert, hier dürfen Emotionen gezeigt werden, hier ist Intimität erlaubt.
„Wo damals Leben pulsiert hatte, war jetzt alles still. Eines Tages wird hier ein Wald sein. Aus dem Unkraut wird Buschwerk wachsen, dann Bäume, die Bäume werden einen Wald bilden, der sich über den gesamten Kontinent ausbreitet.“
Ein umwerfendes Debüt, dass über Grenzen hinausgeht und Sprache einen neuen Raum bietet. Ich kann „Melken“ nur empfehlen; besonders, wenn nach poetischer, literarischer Fiktion gefragt wird und auch queeren (und vegan lebenden) Menschen, die abseits der Stadt aufgewachsen sind, kann dieses Werk sicher viel geben.