Stallgeruch
Sanna Samuelsson nimmt eine kleine Landwirtschaft und das Leben der dortigen Kleinbauern in den Mittelpunkt. Ellen, frisch getrennt von ihrer Freundin, kehrt zurück auf den inzwischen verkauften Hof ihrer Kindheit. Hier wohnen inzwischen ein Paar, das gerade vereist ist. Ellen dringt ein in das Haus ihrer Kindheit und zugleich auch in ihre Erinnerungen. Sie schleicht sich ein und nimmt ihr altes Kinderbett wieder in Beschlag. In Erinnerungsbildern wird das Leben auf dem irgendwann nicht mehr rentablen Hof geschildert. Dabei sind die Kühe und das Melken zentrale, wiederkehrende Bilder. Ellen als Landkind hat sich ihres Stallgeruchs gegenüber den Kindern aus der Siedlung geschämt und zugleich wird das Aufgeben der Landwirtschaft auch zu einem persönlichen Verlust. Besonders eindrucksvoll ist die Schilderung der Auktion, wo Tiere und Maschinen versteigert werden, wo das Bauernleben ausgeweidet wird. Sanna Samuelsson besitzt einen Wortschatz, der bildhaft sehr präzise Umgebungen und Situationen beschreibt und das Sterben der Kleinhöfe und die damit verbundene Veränderung der Landschaft eindringlich beschreibt. Allerdings kommen die persönlichen Zusammenhänge und die emotionale Beteiligung der Protagonistin auf den gerade mal 150 Seiten für meinen Eindruck zu kurz. Ellen bleibt mir fremd, irgendwie beziehungslos, sowohl in ihrer Trennung von ihrer Partnerin, als auch in ihrem Eintauchen in Kindheitserinnerungen. Was will sie, was treibt sie und was fühlt sie in ihrer Retrospektive. Ein wenig mehr erzählender Beifang hätten dem Roman gut getan. So ist er einfach, kurz und gut.