Still, klug, melancholisch

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anja1979 Avatar

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Die schwedische Autorin Sanna Samuelsson arbeitet als Schriftstellerin und Kulturjournalistin.
Die Erzählerin kehrt nach der Trennung von ihrer Partnerin in das Haus ihrer Kindheit zurück. Das Cover lässt eindeutig erkennen, wo das ist.
Die Rückkehr wird zum Ausgangspunkt für eine leise, nachdenkliche Rückschau: Auf einem wirtschaftlich angeschlagenen Bauernhof aufgewachsen, fühlte sie sich stets anders als die anderen Kinder. Samuelsson beschreibt eindringlich den Alltag auf dem Hof, die Arbeit, die Sorgen um Geld und die Momente, in denen der Wunsch entsteht, einfach nur dazuzugehören.
Dann begegnet sie ihrem besten Freund aus Kindertagen.
Über der gesamten Erzählung schwebt eine leise, melancholische Frage: Wie hätte alles auch anders kommen können?
Samuelsson gelingt eine ruhige Geschichte über Herkunft, Scham, Freundschaft und die Suche nach einem Platz im Leben.
Persönlich hätte ich mir gewünscht, noch weiter in dieser Geschichte bleiben zu können. Der Schreibstil ist angenehm flüssig und leicht verständlich, dabei immer wieder von einem feinen, oft überraschend amüsanten Ton durchzogen. Gerade diese Mischung aus Ernsthaftigkeit, Selbstreflexion und leiser Ironie macht die Lektüre besonders zugänglich.
Mit nur 157 Seiten endet der Text jedoch vergleichsweise früh und lässt einige Gedankenräume bewusst offen. Als Leserin bleibe ich daher mit der Frage zurück, wie sich das Leben der Erzählerin weiterentwickeln wird. Eine Offenheit, die zugleich zum Nachdenken über die möglichen Wege ihres Lebens anregt.