Suche nach Heimat und Geborgenheit

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buchlieberin Avatar

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Ellen hat Urlaub. Sie ist frisch getrennt von ihrer Partnerin und fährt direkt von der Arbeit aus los.
Sie hält an dem Bauernhof, in dem ihre Familie früher gewohnt hat. Damals, als sie noch Landwirte waren.
Die Familie, die das Haus gekauft hat, scheint nicht da zu sein. Kurzerhand nimmt Ellen den Ersatzschlüssel, der noch an der gewohnten Stelle liegt und bricht in das Haus ein. Ich denke nicht, dass das der Plan war. Und schon mal gar nicht, dort einige Wochen zu kampieren.
Dabei wird sie sogar von einem früheren Klassenkollegen entdeckt, doch dieser lässt sie gewähren und versorgt sie sogar mit Essen.
Ellen badet in Erinnerungen. Guten, wie auch schlechten. Der Bauernhof mit den Kühen war für die Eltern ein Rund-um-die-Uhr Job. Langsam erzählt sie, wie es war als Bauernkind, des irgendwie immer ein wenig nach Kuh roch in die Schule mit vielen Stadtkindern zu gehen. Sie erzählt, wie sich ihr Vater kaputt gearbeitet hat und am Ende trotzdem den Hof verlor.
Die verloren gegangene, von vielen in der Stadt imaginierte Bauernhofidylle widerlegt sie schonungslos. Und doch fühlt sie sich in diesem Haus, auf diesem Hof und diesem Land geborgen. Es ist ihre Heimat. Doch dort darf sie eigentlich nicht mehr sein. So lebt sie in einer Zwischenwelt in diesen heißen Sommerwochen. Ohne Ziel, ohne etwas zu tun. Ohne Pläne für die Zukunft zu machen. Nur voller Trauer über alles, was sie bereits im Leben verloren hat.
Immer wieder beschreibt sie die harte Arbeit, denn auch als Kind wurde sie eingespannt. Milch ist ein starkes Thema, voller Metaphern. Lustigerweise hat sie das Melken per Hand nie gelernt.
Ein sehr melancholisches Buch, das sich einer interessanten Sprache bedient. Anspruchsvoll und doch einfach. Es enthält wundervolle Bilder der Landschaft und des Landlebens, die man wunderbar auf andere Themen projizieren kann.
Doch bin ich mit Ellen nicht ganz warm geworden. Es ist ein dünnes Buch, ich hätte mir ein wenig mehr Informationen gewünscht, zum Beispiel dazu, wie ihre Eltern mit diesem Verlust von allem was für sie vorher eine Bedeutung hatte gewünscht. Doch dieses Buch konzentriert sich ganz auf Ellen.