Vom Hof

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majca_ Avatar

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"Meine Mundwinkel zeigten nach unten, die Zeit hatte in meinem Gesicht etwas hervorgepflügt. Wie die Vorzeitfunde, die man erst entdeckte, als die neuen Traktoren und größeren Pflüge tiefer gruben als die von Pferden gezogenen. Zum Vorschein kamen alte Gerippe und Flüche."

4.5 ★
Dieser kurze Roman bildet ziemlich genau das ab, was man bei einem modernen, zeitgenössischen Debüt erwartet.
In poetischer Sprache entstehen stark körperliche Bilder, mal lyrisch, mal derbe. Stellenweise wirkt der Text etwas überladen, und einige Formulierungen sind ehr unbeholfen. Dennoch zeigt die Autorin Gespür für Atmosphäre und Bilder.

Thematisch geht um das Aufwachsen auf einem Milchbauernhof, darum, wie diese Herkunft das eigene Verständnis von Arbeit, Zugehörigkeit und sozialer Stellung prägt. Daneben werden auch die sozioökonomischen Strukturen betrachtet, der Strukturwandel in der Landwirtschaft und der wirtschaftlicher Druck auf die Bauernschaft.
So hat man am Ende einen Text, der persönliche Erinnerung mit Gesellschaftsanalyse verbindet, bei dem man ganz nebenher noch so manches über die Landwirtschaft lernt. Gerade diese inhaltliche Vielfältigkeit fand ich überzeugend.

Melken mag sprachlich noch nicht völlig ausgefeilt wirken, thematisch kommt das Buch jedoch stimmig und durchdacht daher.