Worum geht es?

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käthe Avatar

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Sanna Samuelsons Debütroman *Melken* beginnt mit einer Trennung. Nach dieser Trennung von ihrer Freundin Diana fährt Ellen zurück auf den Hof ihrer Kindheit, der jedoch längst verkauft wurde. Dort richtet sie sich, die Eigentümer befinden sich offenbar im Urlaub, kurzerhand wieder ein – als hätte sie immer noch ein Recht auf diesen Ort. Zwischen Erinnerungen an das frühere Landleben, den Gerüchen des Hofs und Begegnungen mit ihrem früheren Freund Max entfaltet sich eine Geschichte über Herkunft, Vergangenheit und vielleicht auch über die Suche nach sich selbst.
Leider bleibt für mich genau das das Problem des Romans: *Worum geht es eigentlich?* Das Buch streift viele mögliche Themen – Heimat, Stadt- und Landleben, Identität, Liebe, Homosexualität oder eine allgemeine Sinnsuche. Doch keines davon wird wirklich greifbar oder konsequent entwickelt. Stattdessen wirkt die Handlung fragmentarisch, fast suchend, ohne dass sich ein klarer Fokus ergibt.
Erschwert wird das durch die vielen Zeitsprünge zwischen Ellens Kindheit auf dem Hof und ihrer Beziehung zu Diana. Diese Rückblenden könnten eigentlich Tiefe schaffen, führen hier jedoch eher dazu, dass keine echte emotionale Verbindung zu den Figuren entsteht. Die Protagonisten bleiben auf Distanz, ihre Motive und Gefühle wirken oft unklar. Vieles bleibt angedeutet, aber nicht ausgearbeitet – und so hinterlässt die Geschichte letztlich ein überraschend unberührtes Gefühl.
Sprachlich hingegen hat der Roman durchaus seinen Reiz. Samuelson arbeitet mit vielen starken Bildern und sinnlichen Eindrücken – besonders Gerüche, Körperlichkeit und Erinnerungen an Tiere und Milch ziehen sich durch den Text. Auch der Titel *Melken* wird immer wieder motivisch aufgegriffen.
Trotz dieser sprachlichen Qualitäten konnte mich der Roman insgesamt nicht erreichen. Die Figuren bleiben schwer fassbar, zentrale Fragen werden nur angerissen, und die Geschichte entwickelt kaum emotionale Wirkung. So bleibt *Melken* für mich ein literarisch interessantes, aber letztlich wenig berührendes Debüt.