Die unvergesslichen Töne der Liebe

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ron_robert_rosenberg Avatar

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Melody. Ein Name wie ein Gedicht. Passend für eine wunderschöne, gefühlvolle Frau, die bei anderen die empfindsamen Saiten der Zuneigung zum Schwingen bringt. Auch Nationalrat Dr. Stotz ist diesem Ohrwurm erlegen, der sich tief in sein Herz gebohrt hat. Aber das erfährt der Leser des gleichnamigen Buches "Melody" von Martin Suter, erschienen 2023 im Diogenes Verlag, erst nach kleinen Dosen der Enthüllungen. Am Anfang steht der Jung-Jurist Tom, der sein Glück gar nicht fassen kann, als er von Dr. Stotz beauftragt wird, gegen ein stattliches Honorar samt Privilegien dessen Nachlass zu ordnen. Der Auftraggeber hat nur noch wenige Monate zu leben. Doch für Tom stellt sich bald eine andere Tatsache heraus. Das eigentliche Geheimnis umrankt das Verschwinden der Verlobten Melody, kurz vor der Hochzeit mit dem deutlich älteren Nationalrat. War es freiwillig aus plötzlicher Furcht vor der Heirat eines viel älteren Mannes? Steckte die strenggläubige muslimische Familie aus Marokko dahinter? Handelte es sich gar um ein Gewaltverbrechen? Tom merkt, dass diese unerledigte Aufgabe das eigentliche Erbstück darstellt. Aus Faszination, Neugier und letztlich auch Hingabe zu dieser hinreißenden Vermissten beschließt er, in diesem Fall zu ermitteln. Zu Hilfe kommt ihm dabei auch Laura, die Großnichte und Alleinerbin von Stotz, die ihrem Großonkel ebenfalls gerne helfen möchte. Beide kommen sich während der Recherche näher. Tom wächst mit dieser Aufgabe, wird selbstsicherer und muss zunehmend feststellen, dass der knorrige und geradlinige Multimillionär Stotz es nicht immer genau mit der Wahrheit nimmt. Steckt er vielleicht sogar selbst hinter Melodys Verschwinden? Aber weshalb ist er dann so untröstlich, gerade im Angesicht seines baldigen Todes? Die Spuren führen nach Asien sowie Griechenland, zu Traumlandschaften und flüchtigen und treuen Bekannten. Was hatte Dr. Stotz dort hingezogen? Rein geschäftliche Umstände waren es jedenfalls nicht. Dazu gibt es zu viele Ungereimtheiten. Klar ist: Der Verlust der Liebe ist das beherrschende Thema. Ein Thema über den Tod hinaus. Denn das, was bleibt, wenn wir mal nicht mehr sind, ist das Band, das stärker zu sein scheint, als wir mit unserem Verstand begreifen können.

Martin Suter gelang 2023 der Sprung auf Platz 1 der Spiegel-Bestseller-Liste. Er ist ein Garant für feinsinnigen, einfühlsamen Stoff, gehobene Literatur und außergewöhnliche Konstellationen. Verlust ist das tragende Thema, das sich auch durch andere seiner Romane wie "Die Zeit, die Zeit" zieht. "Melody" ist ein Lesegenuss, der den Leser mit einem klasse "Sound" umschmeichelt, eine spannende Story bietet und mit starken Charakteren aufwartet.

Die süße "Melody" bleibt mir noch länger im Ohr, mehr noch, sie durchdringt mein Leserherz und lässt mich gern an die gemeinsame Zeit zurückdenken, in der ich um das Leben der jungen Frau und die Kraft einer Liebe bangte.

Mein Appell an Herrn Suter und das Diogenes-Team: Spielen Sie weiter auf dieser Klaviatur!

Bewertung: 5 von 5 Sternen.