Dieses Buch hat mich nicht umarmt – es hat mich erwischt. Und ich meine das liebevoll.

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Memories So Golden Like Us ist kein Roman, der versucht, gefallen zu wollen. Er ist ehrlich. Roh. Manchmal unbequem. Und genau deshalb hat er mich so tief getroffen. Blair ist keine Figur, die man von Anfang an mag. Sie ist wütend, abgestumpft, verloren und macht Dinge, bei denen man sich denkt: Bitte hör auf, dir selbst weh zu tun. Aber je weiter man liest, desto klarer wird: Sie betäubt sich nicht, weil sie oberflächlich ist – sondern weil sie es nicht mehr aushält, zu fühlen.

Ich habe selten eine „Rock Bottom“-Protagonistin gelesen, die sich so echt anfühlt. Kein romantisiertes Chaos, kein hübsches Leiden. Sondern echte Trauer, Schuld und dieser innere Stillstand, der bleibt, wenn man jemanden verloren hat und nicht weiß, wie man weiterleben soll.

Die Kulisse an der britischen Küste passt perfekt. Dieses ständige Grau, der Wind, das Meer – alles fühlt sich an wie ein Spiegel von Blairs Innerem. Und dann ist da Connor. Nicht der klassische Love Interest, sondern eine Figur voller Zurückhaltung, Schuld und unausgesprochener Gefühle. Dass er der beste Freund ihres Bruders ist, macht alles noch schwerer. Ihre Geschichte lebt von dem, was nicht gesagt wird. Von Blicken. Von Nähe, die verboten ist. Von Vergangenheit, die zwischen ihnen steht.

Was mich besonders berührt hat: Dieses Buch will niemanden retten. Es zeigt, dass Heilung leise ist. Langsam. Und manchmal richtig weh tut. Liebe ist hier kein Allheilmittel, sondern ein vorsichtiges Annähern.

Ich habe das Buch beendet und brauchte erst mal einen Moment. Nicht, weil es laut war – sondern weil es nachgewirkt hat. Memories So Golden Like Us ist intensiv, traurig, hoffnungsvoll und unglaublich menschlich. Ein Buch, das bleibt, weil es sich echt anfühlt.