Richtig herzergreifend und schön
Schon optisch konnte mich das Buch abholen: Das Cover fügt sich stimmig in die Reihe ein und harmoniert wunderschön mit dem Farbschnitt. In diesem Band rückt jedoch nicht Sam, sondern seine Schwester Blair in den Mittelpunkt. Seit dem Tod ihres Bruders ist sie innerlich verloren ihre Kunst stagniert, ihr Alltag besteht aus Exzessen, Partys und flüchtigen Begegnungen. Als ihre Eltern schließlich Konsequenzen ziehen und finanzielle Unterstützung an Bedingungen knüpfen, bleibt Blair keine Wahl: Sie soll nach St Ives ins Familienstrandhaus zurückkehren, dort zur Ruhe kommen und an einer neuen Werkreihe arbeiten. Begleitet wird sie dabei von einem Kamerateam, das ihren kreativen Prozess dokumentiert. Der Haken an der Sache: Hinter der Kamera steht Connor Sams bester Freund und Blairs heimliche Jugendliebe. Connor, der sie nie wirklich wahrgenommen hat. Connor, der bis heute mit Blairs damaliger Freundin Elle zusammen ist. Alte Gefühle, ungelöste Konflikte und viel unausgesprochene Vergangenheit treffen hier ungebremst aufeinander.Sprachlich hat mich das Buch wieder sehr überzeugt. Gabriella Santos de Lima schreibt bildhaft, gefühlvoll und mit einer fast lyrischen Leichtigkeit, die mich nur so durch die Seiten getragen hat. Ich habe mir zahlreiche Textstellen markiert, weil ihre Worte oft lange nachhallen. Besonders schön fand ich auch die Illustrationen im Buch, die der Geschichte zusätzliche Tiefe verleihen.Inhaltlich steht klar die Auseinandersetzung mit Trauer im Vordergrund ein schweres, emotionales Thema, das die Autorin mit viel Feingefühl behandelt. Der Einstieg ist stark: Blairs innere Zerrissenheit und ihr Schmerz sind sofort greifbar. Im Mittelteil verliert die Geschichte für meinen Geschmack jedoch etwas an Balance, da der Fokus sehr stark auf expliziten Szenen liegt und die Handlung dadurch zeitweise auf der Stelle tritt. Hier hätte ich mir mehr Raum für Entwicklung und Reflexion gewünscht. Zum Ende hin findet das Buch aber wieder zu seiner emotionalen Stärke zurück. Die Figuren rücken erneut in den Mittelpunkt, ihre Entwicklungen werden nachvollziehbarer und berührender. Besonders interessant fand ich zu beobachten, wie Blair und Connor einander auf ihre ganz eigene Weise Halt geben und gemeinsam mit ihrer Trauer umgehen.Insgesamt eine intensive, gefühlsgeladene Geschichte mit sprachlicher Schönheit und emotionaler Tiefe