Ein typischer Nesbø

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noiram Avatar

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Jo Nesbø schafft es mal wieder sofort, eine ganz eigene, etwas düstere Stimmung zu erzeugen. Diesmal geht es nach Amerika, genauer gesagt nach Minnesota, und man begleitet Holger Rudi, der dort ankommt. Er wirkt wie ein typischer Nesbø-Charakter: ein bisschen mitgenommen vom Leben, aber mit einem scharfen Blick für seine Umgebung.
​Besonders hängen geblieben ist bei mir die Szene mit Bob im Auto. Wie er da sitzt, völlig die Beherrschung verliert, sein Handy gegen die Scheibe pfeffert und dann diesen seltsamen Dialog mit dem Fahrer neben ihm führt – das war schon sehr intensiv geschrieben. Man merkt richtig, wie unter der Oberfläche der Charaktere der Wahnsinn oder zumindest eine große Verzweiflung brodelt. Auch der Zollbeamte am Anfang mit seinen müden Augen hat das Bild einer Welt gezeichnet, in der jeder sein Päckchen zu tragen hat.
​Der Schreibstil ist gewohnt flüssig und direkt, ohne viel Schnickschnack, was mir gut gefällt. Es fängt eher ruhig an, aber man spürt die ganze Zeit, dass da bald etwas Schlimmes passieren wird. Die Verbindung zu dem Rammstein-Zitat am Anfang passt auch irgendwie perfekt zu dieser rauen Atmosphäre. Ich bin sehr gespannt, was Holger Rudi in Minnesota eigentlich vorhat und wie sich die Wege der verschiedenen Leute kreuzen werden. Für Fans von nordischen Krimis, die auch mal in den USA spielen dürfen, ist das sicher ein Muss.