Charakterstudie
Der Kriminalroman punktet bei mir zuallererst aufgrund des optisch sehr ansprechenden Designs und des kurzen, einprägsamen Titels, aber auch inhaltlich bin ich positiv überrascht. Es ist viel mehr als nur ein Kriminalfall, der aufgeklärt wird. Als Hauptcharakter steht Bob Oz im Mittelpunkt, für den man zu Beginn nicht viel Sympathie aufbringen kann, aber mit der Zeit lässt er hinter seine harte Schale blicken und man erkennt die tiefgreifenden Verletzungen, die Trauer und auch den Scharfsinn bei den Ermittlungen. Diese innere Zerrissenheit und die Dunkelheit, die ihn umgibt, fördern psychologische Tiefe. Vor allem der Tierpräparator hat sich als guter Zuhörer herausgestellt, ich finde ihn vielschichtig und interessant dargestellt, nicht nur in Bezug auf seinen Beruf. Der Schreibstil ist weniger actiongeladen oder bildhaft beschreibend in Form von Gewaltdaten, sondern häufig werden Andeutungen gemacht, dennoch ist die Atmosphäre frostig kalt und geprägt von Einsamkeit und latenter Gewalt. Die amerikanische Waffenlobby mit ihren Befürwortern und Gegnern findet ebenfalls einen bedeutenden Platz und wird mit persönlichen Erfahrungsgeschichten untermauert. Der Autor hat sich auf das Wesentliche reduziert und bietet so, dass sich die Charaktere entwickeln können und eine tiefere Bindung zu ihnen entstehen kann, wenn auch manchmal mit ambivalenten Gefühlen. Spürbar ist teilweise auch die Ausweglosigkeit einzelner Charaktere, deren Enttäuschungen, die Frage nach der Schuld und Vergebung und fehlende Alternativen aus der eingefahrenen Situation. Wer düster Kriminalromane mit psychologischen Elementen mag und auch die drückende, düstere, teilweise pessimistische Atmosphäre aushalten kann, wird mit einer intelligenten Hintergrundgeschichte und interessanten Gesprächen belohnt.