Kalter Krimi für harte Nerven

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hogado Avatar

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Jo Nesbøs „Minnesota“ ist ein düsterer Roman, der weniger auf spektakuläre Wendungen als auf Atmosphäre, innere Konflikte und moralische Grauzonen setzt. Die Handlung ist in der kargen, winterlichen Landschaft des amerikanischen Mittleren Westens angesiedelt, die Nesbø mit wenigen, präzisen Strichen lebendig werden lässt. Schnee, Kälte und Weite sind hier nicht bloß Kulisse, sondern Spiegel einer inneren Leere, die viele Figuren prägt.
Im Zentrum steht ein Protagonist, der typisch für Nesbøs Werk ist: ein Mann mit gewalttätiger Vergangenheit, gefangen zwischen Schuld, Loyalität und dem Wunsch nach Erlösung. Nesbø interessiert sich weniger für das klassische „Wer war es?“ als für das „Warum?“ seiner Figuren. Gewalt erscheint nie glamourös, sondern als etwas Zermürbendes, das Spuren hinterlässt. Gerade diese Nüchternheit macht den Roman so eindringlich.
Bob jagt einen Heckenschützen, der gezielt Menschen ins Visier nimmt, die sich öffentlich für den privaten Waffenbesitz einsetzen. Doch der Täter scheint den Ermittlern stets voraus zu sein und manipuliert sie geschickt, sodass sie ihm immer hinterherlaufen.
Erzählt wird der Roman auf zwei unterschiedlichen Zeitebenen und aus mehreren Perspektiven. Die zweite Zeitschleife trägt allerdings nur wenig zur Handlung bei und wirkt eher verzichtbar. Auch die wechselnden Ich-Erzählungen erfordern zunächst etwas Orientierung, sind jedoch überzeugend umgesetzt und ermöglichen einen intensiven Einblick in die Denkweisen und Motive der einzelnen Figuren.