Neuer Ermittler mit aktuellen Bezug

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Mit dem Bob Oz eröffnet der Autor Jo Nesbø ein neues Kapitel und stellt einen Ermittler vor, der von Anfang an viele Ecken und Kanten hat. Gezeichnet vom Tod seiner Tochter arbeitet Oz mehr aus innerem Zwang als aus Pflichtgefühl. Er ist kein Held im klassischen Sinn, sondern jemand, der gegen seine eigenen Dämonen ankämpft – und genau das macht ihn interessant.

Der Fall, der ihn nach Minneapolis führt, ist düster und politisch aufgeladen. Gewalt, Waffen, Drogen und Machtinteressen greifen ineinander, während der Täter der Polizei stets einen Schritt voraus zu sein scheint. Nesbø versteht es, eine beklemmende Atmosphäre zu schaffen, in der man sich nie sicher sein kann, wer tatsächlich die Fäden zieht.

Der Einstieg verlangt etwas Geduld, da er sehr langatmig und zäh ist. Die Perspektivwechsel und die zunächst lose wirkenden Szenen sorgten bei mir eher für Verwirrung als Orientierung. Doch wer über die Hälfte des Buches durchhält, wird belohnt: Nach und nach fügt sich das Puzzle zusammen, und gerade im letzten Teil entfaltet die Geschichte ihre volle Wirkung. Plötzlich ergibt vieles Sinn, was zuvor rätselhaft erschien.

Nesbøs nüchterner, knapper Stil passt hervorragend zur düsteren Grundstimmung. Ohne große Ausschweifungen bringt er die Dinge auf den Punkt und lässt viel Raum für eigene aktuelle Gedanken. Bob Oz ist kein leichtgängiger Thriller, sondern ein forderndes, vielschichtiges Buch – und der Auftakt zu einer Figur, von der man gern noch mehr lesen möchte.